Zurück ins Schulleben – und wieder Vertrauen gewinnen

Dieses Team will Kinder und Jugendliche wieder auf dem Weg begleiten

Die Lockdowns und der Distanzunterricht haben sicherlich einen größeren Infektionsausbruch verhindert. Doch der Preis dafür war sehr hoch: Viele viele Schülerinnen und Schüler waren daheim isoliert. Keine Freunde treffen. Kein Vereinsleben. Keine sozialen Kontakte – statt dessen „abhängen“ beim Social-Media-Konsum, keine Tagesstruktur mehr, Trägheit, Unlust, teilweise sogar Depression und schlechte Stimmung in der Familie.

Das bekamen natürlich auch die Lehrerinnen und Lehrer zu spüren, als die Kinder und Jugendliche wieder in den Präsenzunterricht zurück kehrten: Viele Schülerinnen und Schüler hatten keine Motivation zum Lernen, wurden verhaltensauffällig oder kamen gar nicht erst zum Unterricht.

 

Jetzt kümmert sich das Beratungsprojekt „CampusTalk“ (Kooperation Stadt Hilden und Bildung³) um diese Opfer der Pandemie: Kristina Schirnin, Klaus Kampling-Zink und Silke Baurs-Krey (Foto oben v.l.) sind die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 in Hilden, die jetzt ihren Weg zurück ins (Schul-)Leben finden möchten und Orientierung suchen. Bei ihnen können die Heranwachsenden über ihre Probleme sprechen und praktische Unterstützung erhalten.

 

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Nach Gesprächen wieder gefestigt im Unterricht

Bereits im Oktober ist der „CampusTalk“ in den Schulen im Holterhöfchen gestartet. Da es aber auch in diesem Winter wieder viele Einschränkungen gab, waren die Resonanz und Möglichkeiten noch nicht so groß.

Jetzt will das Trio durchstarten, auch an den anderen Hildener Schulen. Lehrerinnen und Lehrer können sich melden, wenn ihnen ein Fall bekannt wird. Aber natürlich können sich auch die Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern von sich aus an die Vertrauenspersonen wenden.

 

Ein paar Erfahrungen konnte das Team schon machen: „Wir hatten einen Schüler, der sich wegen eines Praktikumsplatzes gemeldet hatte“, erzählt Kristina Schirnin. In den Gesprächen kam aber heraus, wie sehr er unter dem Lockdown gelitten hat, und dass er mit seinen Eltern nicht darüber sprechen konnte. So konnte er sich nun öffnen und helfen lassen.

„Die Mädchen wollen oft einfach nur quatschen“, so eine andere Erfahrung.

Das Angebot ist insbesondere für die Jugendlichen gedacht, die jetzt an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf stehen. Denn es gab kaum Möglichkeiten für Praktika oder berufsorientierende Maßnahmen. Das hat die Resignation, Antriebslosigkeit und das Desinteresse noch mehr befeuert.

 

„Viele Schülerinnen und Schüler haben das Urvertrauen verloren“, sagt Sabine Klein-Mach, Leiterin der Marie-Colinet-Schule im Holterhöfchen. „Jetzt kommt noch der Krieg in der Ukraine dazu.“

 

Aber: Wenn einmal ein Kontakt mit dem CampusTalk-Team zustande kam, habe sich die Situation verbessert, hat die Pädagogin festgestellt: „Jetzt sitzen einige von ihnen wieder gefestigter im Unterricht.“

 

Der „CampusTalk“ könnte also ein wichtiger Schritt Richtung Rückkehr ins alte Schulleben sein – auch wenn es vorerst wohl nicht mehr so sein wird wie früher.

 

Bericht/Foto: Achim Kaemmerer

 


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