Hilden klimaneutral bis 2035 – Ziel unrealistisch?

Stadtverwaltung hat schon viel getan, doch das reicht wohl nicht – die Bevölkerung muss auch mitmachen

Hilden soll bis 2035 „klimaneutral“ werden – zehn Jahre früher als von der deutschen Bundesregierung vorgegeben, und 15 Jahre vor dem angestrebten Ziel der EU. Das hat der Stadtrat im Dezember 2022 beschlossen. Doch ist das wirklich zu schaffen? Erstmals wurden dazu gewisse Zweifel geäußert, nämlich bei der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Klima und Mobilität am 6. Mai 2026.

Dezernent Peter Stuhlträger stellte eine „Potenzialanalyse und Szenarienentwicklung zur Erreichung der Treibhausgasneutralität in Hilden“ auf ca. zehn Seiten vor.

Die Erkenntnis grob zusammengefasst: Die Stadtverwaltung Hilden hat schon viel erreicht und noch viel vor. Doch das alleine genügt nicht.
Warum?

 

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Analyse zeigt: Selbst bei maximalem Einsatz bleibt eine gewaltige Energielücke

Ziel der „Klimaneutralität“ bedeutet:

  • eine Reduktion um 95% aller Treibhausgase im gesamten Stadtgebiet bis 2045 im Vergleich zu 1990,
  • zuvor eine Minderung um mindestens 65% bis 2030 und um mindestens 88% bis 2040,
  • Senkung des Endenergieverbrauchs bis 2045 um 45% im Vergleich zu 2008,

heißt es in dem Bericht. 

Und was wurde bislang umgesetzt? 

 

Wärmewende, E-Mobilität und Solarenergie: „Wir sind schon Vorbild“

Von den zahlreichen Daten, Statistiken und Grafiken in der Vorlage ist insbesondere eine Darstellung hervorzuheben. Sie zeigt Daten zum Energieverbrauch von Strom, Wärme und Kraftstoff bei der Stadt, im Gewerbe und Verkehr, in der Industrie und in privaten Haushalten sowie zur Erzeugung von Erneuerbaren Energien im Jahr 2023 und vergleicht diese mit dem zu erwartenden Szenario im Jahr 2035.

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Quelle: Stadt Hilden

Demnach dürfte wohl in allen Sektoren der Verbrauch deutlich sinken und der Anteil an Erneuerbaren Energien deutlich steigen, aber: „Es wird deutlich, dass trotz voller Ausnutzung des max. technischen Potenzials in Hilden (gemäß Einstellungen im Klimaschutz-Planer), die Verbrauchsreduktion bzw. das Vermeidungsziel Deutschlands nicht in einem ausreichenden Maße erreicht wird“, kommentiert die Stadt Hilden. „Die Verbräuche (…) können bei voller Ausnutzung des technischen Potenzials nur auf ca. 1 Mio MWh reduziert werden. Somit wäre die zusätzliche Erzeugung erneuerbarer Energien von 240.000 MWh nötig, um den verbleibenden Teil, nicht vermeidbarer Emissionen zu kompensieren. Die voraussichtliche Deckungslücke bei der Erzeugung erneuerbarer Energie in 2035 beläuft sich somit auf ca. 865.000 MWh.“

 

Außerdem heißt es an anderer Stelle in der Vorlage: „Dabei ist darauf aufmerksam zu machen, dass die Stadt, d.h. die Stadtverwaltung selbst, nur einen Einflussbereich auf lediglich ca. 37.000 Tonnen CO2äqu (Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase im Vergleich zu derjenigen von Kohlendioxid, Anm.d.Red.) an den Gesamtemissionen besitzt.“

 

Die Stadt Hilden selber sei zum Beispiel bei der Umstellung des Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge, mehr Photovoltaik-Anlagen oder der Kommunalen Wärmeplanung „sehr aktiv und Vorbild“, so Stuhlträger.

 

Stadt will positiv über mehr Klimaschutz sprechen

Stuhlträger machte ebenso deutlich: Nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende müssen ihren Beitrag leisten, um die Klimaneutralität zu erzielen.

Soll also beispielsweise heißen: weniger fossile Brennstoffe verbrauchen, mehr mit dem Bus und Fahrrad statt mit dem Auto fahren oder Häuser energetisch sanieren.

„Wir müssen die Menschen motivieren und individuelle Entscheidungen erleichtern“, so der Beigeordnete. „Wir müssen in der Kommunikation positiv über Klimaschutz sprechen.“ Dazu sollen zum Beispiel das Mobilitätskonzept oder die geplante Kampagne für mehr Wärmepumpen in Unternehmen und Privathaushalten dienen.

 

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Auf Nachfragen der Ausschussmitglieder machte Stuhlträger aber auch deutlich: Das Klimaziel bis 2035 sei nicht zu schaffen, weder in Hilden noch einer anderen Kommune. Nicht nur, weil vielleicht nicht genügend Menschen mitmachen, sondern weil auch die personellen Kapazitäten im Rathaus oder in Ingenieurbüros für all die notwendigen Maßnahmen begrenzt seien. Weiteres Beispiel: die Emissionen auf der A3 und der A46 werde der Stadt Hilden zugerechnet werden. Beeinflussen könne sie den Verkehr aber nicht.

 

Dennoch ist das kein Grund für die Verwaltung, deshalb nichts weiter zu tun, im Gegenteil: Das Ziel der Klimaneutralität werde weiterhin Schritt für Schritt angestrebt. Es könne eben nur niemand gewiss sagen, wann es erreicht wird.

 

Bericht: KA
Fotomontage: anzeiger24.de / KI generiert 

 

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