Leverkusen macht mit gezielten Kontrollen vor, wie es funktionieren kann
Wer durch Hilden geht, kennt das Bild: Zigarettenkippen liegen an Bushaltestellen, auf Parkplätzen, in Baumbeeten, an Sitzbänken und entlang zahlreicher Gehwege. Viele Bürger empfinden die Stadt seit Jahren als zunehmend unsauber. Die kleinen Filterreste gehören inzwischen fast selbstverständlich zum Straßenbild.
Doch während andere Kommunen aktiv gegen diese Form der Vermüllung vorgehen, scheint die Stadt Hilden den Kampf gegen die sogenannten Kippen-Schnipper weitgehend aufgegeben zu haben.
Leverkusen macht vor, wie Kontrolle funktionieren kann
Die Stadt Leverkusen sorgte kürzlich mit einer gezielten Kontrollaktion gegen Müllsünder für Aufsehen. Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes beobachteten in Zivil (!) Personen, die Zigarettenkippen oder anderen Kleinmüll achtlos auf Straßen und Gehwege warfen.
Das Ergebnis war bemerkenswert: 75 festgestellte Verstöße innerhalb weniger Tage. Die Verantwortlichen wurden identifiziert, gegen sie wurden Bußgeldverfahren eingeleitet. Aufgrund des Erfolges sollen ähnliche Aktionen künftig regelmäßig stattfinden. Der im vergangenen Herbst neu gewählte Bürgermeister hatte den Leverkusenern schließlich eine saubere und sichere Stadt versprochen!
Die Botschaft aus Leverkusen ist eindeutig: Wer kontrolliert, findet Verstöße. Wer Verstöße konsequent ahndet, setzt ein sichtbares Signal.

Hilden will davon allerdings nichts wissen
Vor diesem Hintergrund wollte anzeiger24.de von der Stadt Hilden wissen, ob ein vergleichbares Vorgehen auch hier denkbar wäre. Die Antwort fiel eindeutig aus: Nein – zumindest derzeit nicht.
Zwar räumt die Verwaltung ein, dass solche Maßnahmen grundsätzlich möglich wären. Geplant seien sie jedoch nicht! Die Stadt erklärt, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes aus Gründen der Transparenz für Bürger jederzeit als solche erkennbar bleiben sollen. Einsätze in Zivil seien deshalb nicht vorgesehen.
Außerdem sieht die Verwaltung nach eigenen Angaben auch keine besonderen Müll-Hotspots, die außergewöhnliche Maßnahmen erforderlich machen würden. Statt gezielter Schwerpunktaktionen setzt die Stadt weiterhin auf das Zusammenspiel von Ordnungsamt, Polizei und dem Mängelmelder.
Aktive Ordnungskräfte? Viele Bürger dürften sich fragen, wo?
Wer regelmäßig durch die Innenstadt, über Parkplätze, durch Grünanlagen oder an Bushaltestellen geht, begegnet nur selten Mitarbeitern des Ordnungsamtes, die gezielt und aktiv nach „Müllsündern“ Ausschau halten oder gar Personen wegen weggeworfener Zigarettenkippen oder anderer Verunreinigungen tatsächlich kontrollieren. Und wer ist schon so dreist, seinen Müll ausgerechnet vor erkennbaren Ordnungskräften wegzuwerfen?
Aber was tut die Stadt?
Mängelmelder statt wirksamer Kontrollen?
Die Stadt verweist auf den Mängelmelder. Schon klar, ein Schlagloch lässt sich fotografieren und eine defekte Straßenlaterne ebenfalls. Doch wie soll ein Bürger einen Raucher melden, der seine Zigarette auf den Boden wirft und wenige Sekunden später längst verschwunden ist? Das geht nicht!
Auch die ebenfalls von der Stadt erwähnte Möglichkeit, dass Bürger entsprechende Hinweise an die Stadt geben könnten, dürfte unrealistisch sein. Wer macht das bitte?
Die Stadt sieht nur Probleme
Die Verwaltung erläutert, dass Verstöße gegen die Ordnungsbehördliche Verordnungen in der Regel nur geahndet werden können, wenn Täter auf frischer Tat ertappt werden. Ansonsten sei die Beweisführung schwierig.Diese Aussage ist bemerkenswert. Denn sie beschreibt exakt den Grund, warum Leverkusen überhaupt zu gezielten Kontrollen gegriffen hat.
Während Leverkusen aus der Schwierigkeit der Beweisführung die Konsequenz gezogen hat, verstärkt „in Zivil“ zu kontrollieren, verweist Hilden lieber auf die Schwierigkeiten und belässt es beim bisherigen Vorgehen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Besonders interessant wird die Diskussion beim Blick auf die offiziellen Zahlen. Nach Angaben der Stadt Hilden wurden im Jahr 2025 insgesamt 42 Verfahren wegen illegaler Müllentsorgung oder Verunreinigung öffentlicher Flächen geführt. Daraus resultierten lediglich 15 Verwarnungen und 16 Bußgelder. Zusammen ergibt das gerade einmal 31 Ahndungen innerhalb eines gesamten Jahres.
Zum Vergleich: Leverkusen stellte bei einer einzigen Schwerpunktaktion bereits 75 (!) Verstöße innerhalb weniger Tage fest. Anders ausgedrückt: Leverkusen registrierte in wenigen Tagen mehr als doppelt so viele Verstöße wie Hilden in einem kompletten Jahr ahndete.
Natürlich ist Leverkusen größer als Hilden. Doch dieser Größenunterschied erklärt die enorme Differenz nicht wirklich. Vielmehr drängt sich eine andere Erklärung auf: Wo nicht kontrolliert wird, werden auch keine Verstöße festgestellt.
Das Problem ist überall sichtbar
Die Behauptung der Stadt, besondere Müll-Hotspots seien nicht erkennbar, dürfte viele Hildener überraschen. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, findet Zigarettenkippen nahezu überall. Besonders betroffen sind Bushaltestellen, Parkplätze, Grünanlagen, Baumscheiben, Bereiche vor Geschäften und zahlreiche öffentliche Plätze. Die Verschmutzung ist sichtbar und die Beschwerden aus der Bevölkerung sind seit Jahren bekannt.
Dabei sind die Folgen keineswegs harmlos. Zigarettenkippen enthalten zahlreiche Schadstoffe, die durch Regen ausgewaschen werden und in Böden sowie Gewässer gelangen können. Zudem verursachen sie erhebliche Reinigungskosten für die Kommunen. Von einem Kavaliersdelikt kann deshalb keine Rede sein.
Trotzdem will Hilden keine zusätzlichen Maßnahmen gegen Kippen-Schnipper und andere Verursacher von Kleinmüll. Hat die Stadt vor den Kippen-Schnippern kapituliert?
Bericht: LT
Fotos/Video: anzeiger24.de
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