
Mit einer aktuellen Vorlage informiert die Stadtverwaltung den Ausschuss für Kultur- und Heimatpflege über den Stand der Umsetzung des „Kommunalen Gesamtkonzepts Kulturelle Bildung“. Das Gremium wird sich in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag mit dem Bericht befassen. Dabei zieht die Verwaltung eine bemerkenswert offene Bilanz: Ein zentraler Baustein des ursprünglichen Konzepts hat die Erwartungen nicht erfüllt. Die Stadt reagiert nun mit einer Neuausrichtung ihrer Strategie für die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen.
Große Erwartungen an das Area 51
Als der Rat das Gesamtkonzept beschloss, spielte das Area 51 eine Schlüsselrolle. Die Einrichtung sollte nicht nur Jugendtreff sein, sondern sich schrittweise zu einem zentralen Ort für kulturelle Bildung, Kreativität und kulturelle Projekte entwickeln. Dazu sollten Kulturamt und Jugendförderung eng zusammenarbeiten und gemeinsam neue Zielgruppen erreichen.
Die nun vorgelegte Sachstandsmitteilung zeigt jedoch deutlich, dass diese Erwartungen nicht erfüllt wurden. Die Verwaltung nennt organisatorische Probleme, unterschiedliche Zuständigkeiten, verschiedene Vorgesetzte sowie einen hohen Abstimmungsaufwand als wesentliche Hindernisse.
Area 51 blieb vor allem Jugendzentrum
Noch schwerer wiegt aus Sicht der Verwaltung jedoch ein anderer Punkt: Die kulturellen Angebote erreichten überwiegend Jugendliche, die ohnehin bereits regelmäßige Besucher des Area 51 waren. Neue Zielgruppen konnten kaum gewonnen werden.
Selbst größere Veranstaltungen wie die „Nacht der Jugendkultur“ lockten nur wenige zusätzliche Besucher in den Hildener Norden. Die ursprünglich geplante Entwicklung des Area 51 zu einer zentralen Kinder- und Jugend-Kultureinrichtung blieb damit weitgehend aus. Stattdessen wurde die Einrichtung sowohl von den Nutzern als auch in der öffentlichen Wahrnehmung weiterhin vor allem als klassisches Jugendzentrum wahrgenommen.

Eingeständnis eines gescheiterten Modells
Zwischen den Zeilen liest sich die Vorlage deshalb wie das Eingeständnis, dass ein wesentlicher Teil der ursprünglichen Strategie nicht aufgegangen ist. Das ist bemerkenswert, denn die Stadt hatte über mehrere Jahre versucht, die kulturelle Bildung stärker im Area 51 zu verankern.
Letztlich bestätigt die Verwaltung damit indirekt eine Frage, die sich Beobachter bereits seit längerem gestellt hatten: Ob Jugendliche tatsächlich allein durch die Verlagerung kultureller Angebote in das Area 51 erreicht werden können. Die Antwort fällt nun offensichtlich ernüchternd aus.
Trotzdem wurden wichtige Fortschritte erzielt
Ganz ohne Erfolge verlief die Entwicklung jedoch nicht. Nach Angaben der Verwaltung konnten seit 2024 mehrere wichtige Elemente des Gesamtkonzeptes erfolgreich umgesetzt werden.
So entstanden neue Netzwerke zwischen Schulen, Kitas, Offenem Ganztag (OGS), Vereinen und städtischen Kultureinrichtungen. Darüber hinaus wurden feste Ansprechpartner an den Schulen benannt und erste kulturpädagogische Projekte erfolgreich durchgeführt. Diese Angebote seien sowohl bei Kindern als auch bei pädagogischen Fachkräften auf positive Resonanz gestoßen.
Auch die Zusammenarbeit zwischen Musikschule, Stadtbibliothek, Wilhelm-Fabry-Museum, Stadtarchiv und weiteren Einrichtungen habe sich deutlich intensiviert. Die Verwaltung sieht darin einen wichtigen Schritt für die langfristige Weiterentwicklung der kulturellen Bildungsarbeit in Hilden.
Die Kulturpädagogin wird zur Schlüsselfigur
Eine zentrale Rolle spielt künftig die kulturpädagogische Fachkraft im Kulturamt. Nachdem der Rat im Frühjahr beschlossen hatte, die Verantwortung für das Area 51 wieder vollständig der Jugendförderung zu übertragen, soll diese Stelle nun vollständig für die Koordination der kulturellen Bildungsarbeit eingesetzt werden.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Vorlage ist ein umfangreicher Fahrplan bis Januar 2027 beigefügt. Geplant sind unter anderem:
- Kulturprojekte im Offenen Ganztag,
- zusätzliche Ferienangebote,
- weitere Kulturrucksack-Projekte für Zehn- bis Vierzehnjährige,
- die nächste Nacht der Jugendkultur,
- ein neues Demokratieprojekt mit weiterführenden Schulen,
- regelmäßige Netzwerktreffen,
- stärkere Kooperationen mit Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen,
- eine bessere Information von Schülerinnen und Schülern über kulturelle Angebote.
Zudem sollen künftig verstärkt Angebote direkt dort stattfinden, wo Kinder und Jugendliche ohnehin anzutreffen sind – also in Schulen, Kitas, OGS-Einrichtungen und anderen Einrichtungen im gesamten Stadtgebiet. Damit verabschiedet sich die Stadt faktisch von der Vorstellung eines zentralen Kulturstandortes im Area 51.
Viele Projekte – aber wie wird der Erfolg gemessen?
Genau hier beginnt allerdings die eigentliche Bewährungsprobe. Denn die Vorlage enthält zahlreiche Projektideen, Veranstaltungen und Netzwerktreffen, liefert jedoch nur wenige belastbare Angaben darüber, welche konkreten Ergebnisse bislang erzielt wurden.
Wie viele zusätzliche Kinder und Jugendliche durch das Konzept erreicht wurden, wie stark die kulturelle Teilhabe tatsächlich gestiegen ist oder welche Maßnahmen langfristig Wirkung zeigen, bleibt weitgehend offen. Konkrete Kennzahlen oder Erfolgsmessungen finden sich kaum.
Neustart statt Abschluss
Der Bericht macht deutlich, dass die Stadt aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre Konsequenzen zieht. Das Area-51-Modell spielt künftig nur noch eine Nebenrolle. Stattdessen setzt die Verwaltung auf ein breites Netzwerk aus Bildungseinrichtungen, Vereinen und Kulturinstitutionen.
Ob dieser neue Ansatz erfolgreicher sein wird, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch schon heute: Nach mehreren Jahren Aufbauarbeit beginnt für das „Kommunale Gesamtkonzept Kulturelle Bildung“ in Hilden gewissermaßen eine zweite Phase. Und die wird sich künftig stärker an messbaren Ergebnissen als an guten Absichten messen lassen müssen.
Quelle: Stadt Hilden
Bericht: LT
Fotos/Video: anzeiger24.de
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