
Seit 14 Jahren ist er ein grüner Hingucker an der Itter-Brücke beim Fritz-Gressard-Platz in Hilden: Der botanische „Piratengarten“ am Hangufer, wie ihn der Betreiber selber nennt. Und der ist kein Unbekannter: Dr. Walther Enßlin, beliebter ehemaliger Chemielehrer und nach wie vor engagierter Umweltschützer. Doch mit der Idylle wird es bald vorbei sein: Offizieller Eigentümer des Grundstücks ist der Bergisch-Rheinische Wasserverband (BRW). Und der zwingt den 83-Jährigen nun, das Gelände zu räumen – mitsamt der Steintreppe, einer kleinen Hütte und einer hauseigenen Wasserqualitäts-Messstation. Alles hatte er eigenhändig und mit Herzblut errichtet.
Die Aufforderung wurde bereits im Frühjahr ausgesprochen. Doch Enßlin wollte nach Kompromisslösungen suchen – vergeblich, wie er im Gespräch mit anzeiger24.de erklärt.
Nun hat ihm der BRW eine Frist bis zum 9. Oktober 2026 gesetzt. Andernfalls will ihm der Wasserverband die Beseitigungskosten von 5.000 Euro in Rechnung stellen.
Entsprechend fassungslos reagiert Enßlin nun.

Räumungsaktion am 3. Oktober: Wer packt mit an?
„Die Räumung kann ich nicht selbst durchführen. Mit meinem Golf kann ich zwar Steine transportieren, aber ich bin darf in meinem Alter – wegen der Rückenschmerzen – nicht mehr so viel tragen. Auch könnten die Steine nur auf eine Baustoffdeponie entladen werden. Ich hatte vor Jahren dem Wasserverband vorgeschlagen, dass ich mit 1.000 Euro bei der Entsorgung dabei bin. Deshalb werfen mich die 5.000 Euro für die Räumung des Geländes um.“
Nun hofft er auf Unterstützung seiner vielen Anhänger beim Rückbau: Für Samstag, 3. Oktober 2026, zwischen 10 und 17 Uhr werden Helferinnen und Helfer gesucht.
Dennoch bleibt die Frage nach dem Warum – nach so vielen Jahren.
Bachlauf eingeengt wegen Hütte? Dr. Enßlin sieht anderen Grund
Der BRW begründet die Maßnahme mit einer „Einengung des Bachlaufs“, bedingt durch die gebaute Hütte – dies könne bei Hochwasser zu Überschwemmungen führen.
Lediglich die Tulpen, Narzissen, Krokusse und viele anderen Blumen dürfen wohl bleiben. Doch das sei auch noch nicht ganz klar, sagt der Senior.
Die rechtliche Lage ist offenbar eindeutig: Der Wasserverband ist eine kommunale Einrichtung und verwaltet die Ufer an der Itter. Einen Nutzungsvertrag, Versicherungsschutz oder ähnliches gab es nie. Die Zusammenarbeit beruhte auf einer bloßen Vereinbarung, der BRW hat den Einsatz von Dr. Enßlin all die Jahre lang „geduldet“. Somit kann der Verband auch jederzeit die Nutzung des Grundstückes kündigen.
Die Begründung kann Dr. Enßlin allerdings nicht nachvollziehen: „Es sind von mir keine baulichen Änderungen im Hochwasserbereich angebracht worden. Die Hütte an der Brücke ist genau in der Verlängerung der Brücken und war mit einem Mitarbeiter des Wasserverbandes abgestimmt. Auch die Steintreppen sind in den Boden eingelassen.“
Er sieht keine „Verengung“ des Bachbettes durch seine Anlage, das Problem liege woanders: Vielmehr habe das Kiesbett in der Itter beim letzten Hochwasser im Juli 2021 zur Überflutung der Tiefgarage am Nove-Mesto-Platz geführt, „weil die Brücken und Unterführungen Schwanenstraße bis Fritz-Gressard-Platz das Wasser nicht abführen konnten“, meint Enßlin. „Mein Hinweis, das riesige mindestens 40 cm hohe und ca. 5 m breite Kiesbett unter der Brücke am Fritz-Gressard-Platz endlich zu entfernen, wurde vom BRW abgelehnt. Dieses Kiesbett über die gesamte Brückenbreite ist immer noch vorhanden und wird sicherlich beim nächsten Hochwasser wieder einen Rückstau bis zur Schwanenstraße verursachen.“
„Kläranlagenabwasser gefährdet Trinkwasser“
Er wollte mit seiner Messstation, die u.a. für Jugend-forscht-Projekte genutzt wurde, auch einen Beitrag für mehr Sauberkeit in der Itter leisten.Seine Analyse: „In den Kläranlagen im Kreis Mettmann fehlt die dringend benötigte 4. Stufe, um die schwer abbaubaren Stoffe (z.B. Arzneimittel PFAS) herauszufiltern. Dies ist insofern wichtig, als das Itterwasser bei Trockenzeiten zu 80 % aus Kläranlagenabwasser besteht und auch teilweise versickert und somit eine Gefahr für das Trinkwasser aus dem Grundwasser darstellt.“
Doch auch das habe beim BRW, der ja eigene Messungen durchführt, niemanden interessiert, beklagt Enßlin und erklärt resigniert: „Nachdem ich den japanischen Knöterich entfernt habe, der vorher über Jahrzehnte das Ufer in einen dichten Wald verwandelt hatte, und somit die Arbeit, die dem Wasserverband zufiel, ausgeführt habe, hatte ich ein anderes Verhalten als eine massive Geldforderung erwartet.“
Anm.d.Red.: Wir haben auch den BRW um eine Stellungnahme gebeten, jedoch kurzfristig noch keine Rückmeldung erhalten. Wegen der Dringlichkeit zur Räumungsaktion am 3. Oktober haben wir bereits jetzt den Beitrag veröffentlicht. Sobald wir Antworten vom BRW bekommen, werden diese selbstverständlich auch zur weiteren Berichterstattung verwertet.
Bericht: KA
Fotos: Dr. Enßlin / anzeiger24.de
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