Wie kann der Betrieb trotz prekärer Haushaltslage weiter bestehen?
Wilhelm Fabry ist für Hilden eine wichtige Identifikationsfigur, man könnte auch sagen: eine Marke. Der Pionier der modernen Chirurgie (1560 – 1634) gilt als der „berühmteste Sohn der Stadt“. Und vor knapp 40 Jahren wurde das neu erschaffene Stadtmuseum nach ihm benannt. Seither wird im Wilhelm-Fabry-Museum an der Benrather Straße hochwertige Kunst gezeigt, oftmals in Verbindung mit medizinischen Themen. Es ist das Vorzeigeobjekt der Hildener Kulturszene.
Ohne Kultur kein Leben in der Stadt. Dennoch stellt sich die Frage: Wie viel Kultur kann sich die Stadt Hilden eigentlich leisten angesichts der prekären Haushaltslage?
Stadtmuseum kostet um ein vielfaches mehr als es einbringt
Wir werfen einen Blick in den Haushaltsplan: Laut Jahresabschluss 2020 (S. 428) und 2021 (Seite 397) hat das Museum die Stadt im Jahr 2019 insgesamt 416.281 Euro, 2020 dann 378.862 Euro und in 2021 schließlich 362.786 Euro gekostet.
Auf der anderen Seite stehen dem Einnahmen von 7.351 Euro (2019), 6.858 Euro (2020) und 6.551 Euro (2021) gegenüber.
Es gab laut Auskunft des Kulturamtes in 2018 insgesamt 1.808 Besucherinnen und Besucher, in 2019 waren es 2.037, in 2020 dann 1.373 und in 2021 schließlich 2.129.
Natürlich sind die gesunkenen Zahlen der Corona-Pandemie geschuldet. Dennoch ist festzustellen, dass der Betrieb des Museums auch ohne Pandemie-Krise um ein vielfaches mehr kostet als er einbringt.
Ist das Vorzeigeobjekt Wilhelm-Fabry-Museum also auch Luxus?
Stadt verwaltet Nachlass Breloh-Sammlung
Hinzu kommt: Der Kulturausschuss hat am 5. Mai einstimmig beschlossen, dass die Stadt Hilden den Nachlass des renommierten Bildhauers Heinz Breloh und seiner Frau Krimhild Becker weiter aufbewahren und verwalten möge.
Dazu wird der Nutzungsvertrag mit der Erbengemeinschaft um zehn Jahre verlängert, und die Stadt finanziert einige Umbauten rund um die Alte Apotheke (neben dem Fabry-Museum auf der Ecke Benrather und Ellerstraße): Die Garage soll abgerissen und durch eine Toranlage als Zugang zum Skulpturengarten ersetzt werden. Außerdem soll der instabile Zaun (bzw. das Tor) erneuert oder instandgesetzt werden, und das auf Kosten der Stadt Hilden als Eigentümern der Immobilie, heißt es in der Beschlussvorlage.
Laut Auskunft des Kulturamtes werden dafür 30.000 Euro veranschlagt.
Ursprünglich gab es sogar die Überlegung, das Wilhelm-Fabry-Museum ganz neu zu bauen. Diese Idee ist allerdings bereits vom Tisch, weil es laut Verwaltung „aus Kostengründen kurzfristig nicht realisierbar“ ist.
Trotz allem: Der Betrieb des Fabry-Museums und die Bestandspflege der Breloh-Sammlung wird die Stadt viel Geld kosten. Was haben nun die Bürgerinnen und Bürger davon?
Wir haben das Kulturamt um eine Stellungnahme gebeten. Dort teilt man uns mit: „Grundsätzlich entscheiden die politischen Gremien über das kulturelle Angebot und deren Ausprägung. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf den Haushalt. In Zeiten der Haushaltskonsolidierung wird das Angebot nicht zuletzt dadurch bestimmt. Damit die Entscheidungen so fundiert wie möglich fallen, werden alle Auswirkungen im Vorfeld beraten und die Ergebnisse der Jahresabschlüsse herangezogen. Die Bürgerbeteiligung der Vorjahre können die Bedarfe und das Ansehen des Hildener Kulturangebots untermauern, wonach sich das Kulturamt nach Möglichkeit gerne ausrichtet.“
Also fragen wir einmal bei denen nach, die über das kulturelle Angebot politisch entscheiden. Wir haben alle Ratsfraktionen, bzw. deren Vertreterinnen und Vertreter im Kulturausschuss einen Fragekatalog zum Thema zugesendet.
Geantwortet haben uns bis zum Ende der Rücksendefrist die Bürgeraktion und die CDU.
Bürgeraktion: „Kultur gegen den Rotstift einer allzu wirtschaftlichen Betrachtung verteidigen“
Die Bürgeraktion die bekennt sich ganz klar zum Wilhelm-Fabry-Museum.

Ratsherr Ludger Reffgen (Bürgeraktion)
Ratsherr Ludger Reffgen erklärt uns: „Kultur darf nicht allein unter Kostengesichtspunkten gesehen werden. (…) Kultur bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die aus öffentlichen, d.h. Steuermitteln zu finanzieren ist. Das Museum versteht sich als kulturelle Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. (…)
Im Umkehrschluss: Es nicht zu tun, wäre Ausdruck einer gewissen Dekadenz. Deshalb wird es immer wieder darauf ankommen, dass sich Menschen finden – auch in der Politik –, die sich dieser Herausforderung stellen und die Kultur gegen den Rotstift einer allzu wirtschaftlichen Betrachtung verteidigen.“
Zur Nachlassverwaltung der Breloh-Sammlung erklärt Ludger Reffgen: „Die Stadt tut gut daran, eine Balance zu finden zwischen der Verantwortung für kulturelles Erbe und ihren finanziellen Möglichkeiten. (…) Als die Stadt vor vielen Jahren die Annahme einer umfangreichen Sammlung an Werken von Andy Warhol aus dem Kunst-Nachlass eines Sammlers ablehnte, standen auch kurzsichtige, wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund. Wo stünden wir heute, wenn seit damals nicht Mannheim, sondern Hilden zum Mekka vieler Kultur-Touristen geworden wäre?
Heinz Breloh ist ein Kind dieser Stadt, und was liegt näher, als dass die Stadt sich mit ihm und seinem Lebenswerk identifiziert?“
Das ungekürzte Statement gibt es hier zum nachlesen…
CDU: Museum ist kein „Luxus“, sondern wichtiger Bestandteil der Stadt
„Das Wilhelm-Fabry-Museum hat einen hohen Stellenwert in der Stadt und ist in Fachkreisen, aber auch in der Kunstszene durch seine attraktiven Ausstellungen, auch über die Grenzen von Hilden, bekannt.

Nicole Anfang (CDU)
(…) Um die Bekanntheit des Museums weiter zu steigern, wird im Augenblick die Sammlung des Museums digitalisiert. Bücher und Sammlungsgegenstände werden zukünftig über eine Museumssoftware abrufbar sein. (…) Somit ist auch hier mit einer Steigerung des Bekanntheitsgrades zu rechnen. Das Museum gehört seit einiger Zeit dem Verbund Bergischer Museen an, auch hier wird die Bekanntheit durch gegenseitige Werbung gesteigert.
Das sehr engagierte Museumsteam um unsere Museumsleiterin Dr. Sandra Abend schafft es immer wieder attraktive Ausstellungen nach Hilden zu holen, oder selbst zu entwickeln. (…)
Natürlich wäre es wünschenswert, ein attraktives Museumsgebäude an der sehr exponierten Lage der Kreuzung Ellerstraße/ Berliner Straße/Fritz-Gressard-Platz zu haben.
Die Voraussetzungen dafür sind in der Vergangenheit schon gelegt worden. Leider lässt die Haushaltslage einen Neubau des Museums zu Zeit nicht zu.
Durch die Verlängerung des Nutzungsvertrages mit der Familie Breloh kommt es zu einer Aufwertung des Geländes um die Alte Apotheke. Die Nutzung des Gartens als Skulpturengarten birgt die Möglichkeit einer kleinen Oase an diesem Ort. Da der Künstler auch weit über Hilden hinaus bekannt ist, wird auch dies ein kultureller Mehrwert für die Stadt Hilden sein.
Die weichen Standortfaktoren, die eine Stadt für Einwohner, Unternehmen und Besucher attraktiv machen, sind kein „Luxus“, wie Sie es in Ihrer Anfrage formuliert haben, sondern wichtige Bestandteil unserer Stadt.“
Das ungekürzte Statement ist hier nachzulesen…
Fazit: Politik steht zum Museum
Also: Die Politik will das Fabry-Museum weiterhin finanzieren. Das erfreut das Kultur-Herz.
Dennoch wäre es wünschenswert, wenn die politischen Entscheider noch vorausschauender agieren, damit das kulturelle Erbe gerade in diesen schwierigen Zeiten bewahrt werden kann.
Bericht: Achim Kaemmerer
Fotos: anzeiger24.de / Alexas Fotos/Pixabay / CDU / Bürgeraktion Hilden
Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an
oder als Kommentar bei Facebook.
Euch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.

