Die Geschichte eines ikonischen Kriegsgreuel-Fotos

Fabry-Museum: 50 Jahre nach dem Napalm-Angriff in Vietnam

„Dieses Foto hat die Friedensbewegung beflügelt und die öffentliche Meinung zum Vietnam-Krieg beeinflusst“, sagt Michael Ebert, Fotograf und Journalist aus Hilden: Am 8. Juni 1972 haben nordvietnamesische Truppen auf der Nationalstraße 1, ca. 50 Kilometer von Saigon entfernt, den Ort Trang Bang besetzt und die Verbindung nach Phnom Penh blockiert. Der Pressefotograf Nick Út (Associated Press, damals gerade mal 23 Jahre alt) erfährt, dass die südvietnamesische Armee den Ort zurück erobern will. Dann wurden er und einige Kollegen Zeuge, wie zwei Skyraider Flugzeuge der südvietnamesischen Luftwaffe vier Kanister mit Napalm abwarfen. Eine gigantische Explosion entfachte sich, zahlreiche Zivilisten flüchteten und rannten auf die Fotografen zu. Darunter ein nacktes Mädchen, verstört, vor Todesangst schreiend. Sie heißt Phan Thi Kim Phuc (geboren 1963). Das Bild verbreitete sich einen Tag später in den weltweiten Medien – und wird eine Ikone, ein Sinnbild für den Schrecken des Krieges.

Portrait-Foto oben von Michael Ebert

 

50 Jahre ist das nun her. Michael Ebert hat die ganze Geschichte noch einmal recherchiert und aufbereitet. Das Ergebnis ist nun vom 8. Juni bis zum 9. Oktober im Wilhelm-Fabry-Museum, Benrather Straße 32a, zu besichtigen.

 

Eröffnet wird die eindrucksvolle Ausstellung „Eingebrannt – Die Geschichte über ein Foto, das jeder kennt“ am Mittwoch um 19 Uhr mit Bürgermeister Claus Pommer. Die Einführung übernehmen der Journalist Hans-Michael Koetzle und Michael Ebert als Kurator.

Anschließende Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs und freitags von 15 Uhr bis 17 Uhr, donnerstags von 15 Uhr bis 20 Uhr, samstags von 14 Uhr bis 17 Uhr und sonntags von 11 Uhr bis 17 Uhr.
Der Eintritt beträgt 3 Euro (ermäßigt 1,50 Euro).

 

Die bewegenden Hintergründe zum Foto

Vielen Menschen ist dieses World Press Foto, das 1973 mit dem „Presse-Oscar“ Pulitzer-Preis gekrönt wurde, ein Begriff und im Gedächtnis geblieben. Die Vorgeschichte, die Hintergründe und die späteren Entwicklungen nach diesem erschütternden Ereignis kennen aber wahrscheinlich die wenigsten.

Michael Ebert nimmt daher die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise, in der sie intensiv in die Geschichte eintauchen: Wer war dieser Nick Út? Wie hat damals die Kriegsberichterstattung funktioniert – ohne Internet, Social Media und schneller viraler Verbreitung?

 Fabry-Museum-eingebrannt-Ausstellung-Ebert

Michael Ebert erzählt die Geschichte rund um den Napalm-Angriff anhand vieler Kriegsberichts-Dokumente.

Foto: anzeiger24.de

 

Eine weitere wichtige Rolle spielte ein anderer legendärer Kriegsreporter: Horst Faas, damals Cheffotograf der AP in Saigon, hat dafür gesorgt, dass das Foto überhaupt veröffentlicht wurde. Und das gegen einige Widerstände, denn die Agentur weigerte sich zunächst, ein Bild von einem nackten Mädchen („Frontal Nudity“) zu publizieren. Doch Faas blieb hartnäckig, denn dieses Grauen musste seiner Meinung nach den Menschen vor Augen geführt werden.

 

Und nicht nur das: Den Fotografen und Journalisten ist es nicht nur zu verdanken, dass der Bombenangriff bekannt wurde. Sie sorgten auch dafür, dass das Opfer Phan Thi Kim Phuc überleben konnte. Die Ärzte gaben ihr eigentlich keine Chance mehr, doch unter dem Einfluss der Presse konnten ihre starken Verbrennungen in einer Spezialklinik behandelt werden. 1984 gelang sogar eine komplette Hauttransplantation. So konnte Phan Thi Kim Phuc selber Medizin studieren, heiraten und zwei Söhne zur Welt bringen.

 

Wie damals Bilder übertragen wurden

Michael Ebert hat mit seiner Arbeit bereits viel mediale Aufmerksamkeit für die Ausstellung in Hilden erzielt.

Die umfassende Dokumentation zeigt zahlreiche, teilweise unveröffentlichte Fotografien der Kriegsreporter, Original Kameras aus der damaligen Zeit und Exponate wie eine echte Splitterschutzweste eines AP-Berichterstatters.

Besonders faszinierend: ein Bildübertragungsapparat, eine Art Vorläufer des Fax-Gerätes – und das sogar mit noch besserer Qualität. Eine Art Scanner tastet ein beliebiges Foto – wie das Themenbild der Ausstellung – ab, die hellen und dunklen Stellen werden in entsprechende Signale umgewandelt und versendet. Das Empfängergerät kann diese Signale dann als Bild reproduzieren. Ein Vorgang, der damals zwölf Minuten gedauert hat.

 

Fabry-Museum-eingebrannt-Ausstellung-Bilduebertragung

 

MIt diesem „Funkgerät“ wurden damals Bilder übertragen; so wie später beim Fax…

Foto: anzeiger24.de 

Heute unvorstellbar, aber: Dafür hatte so ein ausgewähltes Bild auch eine besondere Wertigkeit. Das wäre bei der aktuellen Bilderflut nicht mehr möglich, meint Michael Ebert. Und darum werde es wohl auch kein Kriegsfoto mehr geben, über das Jahrzehnte später noch so gesprochen wird wie über dieses Schreckens-Portrait – „an Icon of Photography for all times“, wie es Horst Faas nannte.

 

Rahmenprogramm zur Ausstellung

Während der Laufzeit ist außerdem ein Rahmenprogramm geplant: Am Donnerstag. 23. Juni, findet um 19 Uhr ein Podiumsgespräch über „Die Macht der Bilder“ statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 5 Euro (ermäßigt 2,50 Euro).

 

„Nein, es waren nicht die Amerikaner: Hintergründe zu einem berühmten Foto“ ist der Titel des Vortrages des Kurators der Ausstellung Michael Ebert am Donnerstag, 28. Juli, um 19:30 Uhr. Die Teilnahmegebühr beträgt ebenfalls 5 Euro (ermäßigt 2,50 Euro).

 

Eine Kuratorenführung durch die Ausstellung findet am Donnerstag, 15. September, statt. Die Teilnahmegebühr ist im Eintrittspreis inbegriffen.

 

Für die Teilnahme am Rahmenprogramm wird um Anmeldung an wilhelm-fabry-museum@hilden.de oder telefonisch unter der 02103/5903 gebeten. Für den Besuch der Eröffnung und der Ausstellung ist keine Anmeldung notwendig.

 

Es gelten die tagesaktuellen Regelungen im Sinne des Coronaschutzes.

 

Bericht: Achim Kaemmerer

 


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