Kinderbetreuung: Preisschock bei Mittagsverpflegung

Schulen und Kitas: Eltern sollen mehr bezahlen – Beirat protestiert

Diese Ankündigung dürfte vielen Eltern auf den Magen schlagen: Der Schul- und Sportausschuss am 4. März, der Jugendhilfeausschuss am 5. März, der Finanzausschuss am 25. März und final der Stadtrat am 15. April sollen über höhere Kostenbeiträge für die Mittagsverpflegung von Kindern und Schülern entscheiden.

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Der Betrag soll ab dem 1. August 2026 drastisch steigen:

  • im Primarbereich von 68 auf 85 Euro (+25%). Die Stadt erhofft sich so Mehreinnahmen in Höhe von 10,42 %, aufgeteilt in OGS/VGS (+ 139.300 Euro und Sekundarschule (+ 11.500 Euro). Mit eingerechnet wurden bereits die Preissteigerungen für Lebensmittel und Getränke.
  • in Kindertageseinrichtungen von derzeit 66 auf ebenfalls 85 Euro (+28,79 %).

„Dies entspricht im Elementarbereich den tatsächlichen Ausgaben für das Mittagessen, Lebensmittelzukauf und Getränken, so dass eine Kostendeckung erreicht wird“, heißt es in der Abstimmungsvorlage. „Zusätzliche Kosten für das Küchenpersonal, Ausstattung und weitere Sachkosten werden hierbei nicht berücksichtigt, da diese Kosten über das KiBiz refinanziert werden und Bestandteil der Kindpauschalen für Kindertageseinrichtungen sind. Der Mehrertrag beim Entgelt zur Mittagsverpflegung beträgt für das Haushaltsjahr 2026 rund 41.600 Euro.“

Die Verwaltung betont gleichzeitig, dass „die Kostenbeiträge für die Mittagsverpflegung die letzten vier Jahre nicht angepasst“ worden seien. „Dies muss nachgeholt werden, um eine Refinanzierung der Mittagsverpflegung zu gewährleisten.“

 

Was in der Vorlage nicht steht, aber in der Haushaltsrede von Kämmerer Martin Wiedersprecher bei der Ratssitzung am 16. Dezember 2025 angekündigt wurde: die Kostenbeteiligung für die Mittagsverpflegung soll bis 2030 sukzessive sogar auf 125 Euro erhöht werden.

 

JAEB: „Hier droht soziale Ungleichheit“

Michael Hirsch-Herda, Vorsitzender des Jugendamtselternbeirats, ist erwartungsgemäß nicht begeistert: „Die Preiserhöhungen sind viel zu hoch, und die Stadt entzieht sich unseres Erachtens auch ihrer Verantwortung. Es kann nicht sein, dass sich die Kommune da so einfach aus der Affäre zieht und hauptsächlich die Haushaltskonsolidierung im Fokus hat. Die Systeme OGS und VGS+ werden so zunehmend unattraktiv“, erklärt er auf Anfrage von anzeiger24.de.

 

In einer offiziellen Stellungnahme heißt es außerdem: „Das Mittagessen an Schulen sollte kein freiwilliges Zusatzangebot, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Bildungs- und Ganztagskonzepte sein.“ Wenn die Kosten für viele Familien nicht mehr tragbar werden, drohe ein „ernstzunehmendes sozialpolitisches Problem“, meint Hirsch-Herda: „Hohe Essenspreise führen dazu, dass Kinder aus einkommensschwachen oder mittleren Haushalten vom warmen Mittagessen ausgeschlossen werden. Dies fördert soziale Ungleichheit und schafft eine Zwei-Klassen-Situation im Schulalltag.“

 

Bildungsgerechtigkeit dürfe nicht vom Einkommen der Eltern abhängen. „Wir kritisieren zudem, dass die Verantwortung für ein bezahlbares Schulmittagessen zu häufig auf die Familien abgewälzt wird“, heißt es weiter „Ganztagsschulen sind politisch gewollt – daraus ergibt sich eine klare Verpflichtung von Kommunen, Ländern und Bund, die notwendige Infrastruktur, einschließlich der Schulverpflegung, ausreichend zu finanzieren.“

 

Außerdem fordert er, dass die Preise für das Mittagessen auch in einem „angemessenen Verhältnis zur Qualität oder Portionsgröße stehen“ sollen. Das System solle „transparenter“ werden.

Und: Eltern der OGS und VGS sollten mehr Mitbestimmung genießen, etwa in eigenständigen Elternvertretungen und mit einem ein Sitz im Jugendhilfeausschuss (JHA), um „eine direkte Stimme in den politischen Entscheidungsprozessen“ zu erhalten.

 

„Ein bezahlbares, qualitativ hochwertiges Schulmittagessen und eine starke Elternbeteiligung sind keine Sonderforderungen, sondern grundlegende Voraussetzungen für Bildungsgerechtigkeit, Gesundheit und sozialen Zusammenhalt“, sagt Hirsch-Herda abschließend.

 

Bericht: KA

  

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