
***Kommentar***
Pünktlich vor den Sommerferien ist sie wieder da: die Pressemitteilung der Stadt Hilden über die drei zusätzlichen Samstagsöffnungen des Bürgerbüros. Verkauft wird das Ganze als besonderer Bürgerservice. Doch genau das wirft eine Frage auf: Ist das wirklich zusätzlicher Service oder lediglich der Versuch, ein selbst geschaffenes Problem ein wenig abzumildern?
Vor der Corona-Pandemie war das Bürgerbüro über viele Jahre mit regulären Öffnungszeiten von Montag bis Samstag erreichbar. Beschwerden über Wartezeiten gab es keine. Wer einen neuen Personalausweis oder Reisepass benötigte, konnte während der Öffnungszeiten vorsprechen. Heute geht das nur noch mit vorheriger Terminvereinbarung. Wer keinen Termin hat, bleibt außen vor.
Dabei ist die Terminbuchung meist problematisch. Kurzfristige Termine werden gelegentlich erst morgens für den jeweiligen Tag freigeschaltet. Für Berufstätige, die ihren Arbeitstag planen müssen oder nicht ständig das Terminportal beobachten können, ist das kaum praxistauglich. Wochenlange Vorlaufzeiten bei regulären Terminen sind nicht wirklich eine Alternative.
Umso erstaunlicher ist der Blick über die Stadtgrenzen. In den unmittelbaren Nachbarstädten zeigt sich nämlich, dass es auch anders geht.
In Monheim können Bürger während der Öffnungszeiten eine Wartemarke ziehen und ihr Anliegen ohne vorherige Terminvereinbarung erledigen.
Auch in Erkrath bestehen reguläre Öffnungszeiten ohne verpflichtende Terminbuchung.
Und in Langenfeld stehen ebenfalls die Öffnungszeiten des Bürgerbüros im Vordergrund und nicht die Terminpflicht.
Natürlich ist es sinnvoll, vor den Sommerferien zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen. Daran gibt es nichts auszusetzen. Fragwürdig ist allerdings, dies als außergewöhnlichen Service zu vermarkten, wenn gleichzeitig ein System aufrechterhalten wird, das den Zugang zum Bürgerbüro im Alltag erschwert.
Ein Bürgerbüro ist keine exklusive Dienstleistung, sondern eine der wichtigsten Anlaufstellen einer Stadtverwaltung. Einen Ausweis zu beantragen, eine Meldebescheinigung zu erhalten oder ein Führungszeugnis zu beantragen, gehört zum kommunalen Kerngeschäft. Bürger dürfen erwarten, dass diese Leistungen unkompliziert erreichbar sind – ohne wochenlange Planung und ohne morgens auf die Freischaltung einzelner Resttermine hoffen zu müssen.
Vielleicht wäre es an der Zeit, das Hildener Terminmodell grundsätzlich zu überdenken. Die Erfahrungen der Nachbarstädte zeigen doch, dass Bürgerfreundlichkeit und organisierte Abläufe kein Widerspruch sein müssen.
Wer einen zusätzlichen Samstag als besonderen Service feiert, sollte sich die Frage gefallen lassen, warum dieser überhaupt notwendig geworden ist.
LT
Foto: anzeiger24.de
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