
Wie häufig kommt es an Hildener Schulen zu Gewalt, Mobbing oder Diskriminierung? Welche Hilfen gibt es für Betroffene und wären externe Konfliktcoaches oder verpflichtende Präventionstage sinnvoll? Mit einem umfangreichen Fragenkatalog wollte die CDU-Fraktion Klarheit über die Situation an den Schulen erhalten.
Die inzwischen vorliegende Antwort der Stadt zeigt allerdings vor allem eines: Einen verlässlichen Überblick über Zahl und Entwicklung der Vorfälle hat die Verwaltung nicht.
Zahlen für Hilden werden nicht erfasst
Denn nach Angaben der Stadt sind Mobbingfälle grundsätzlich innerschulische Angelegenheiten. Die Schulen seien nicht verpflichtet, solche Fälle dem Schulträger zu melden. Deshalb würden Gewalt-, Mobbing- und Diskriminierungsvorfälle bei der Stadt nicht systematisch erfasst.
Auch die Polizeistatistik liefert kein vollständiges Bild. Mobbing ist kein eigener Straftatbestand. Einzelne Handlungen können beispielsweise als Beleidigung, Nötigung oder Körperverletzung registriert werden. Hinzu komme nach Einschätzung der Verwaltung eine erhebliche Dunkelziffer, weil Betroffene Vorfälle aus Angst oder Scham häufig nicht meldeten. Aussagen darüber, ob die Fallzahlen in den vergangenen fünf Jahren gestiegen sind oder bestimmte Schulformen besonders betroffen sind, seien daher nicht möglich.
Auch sexuelle Gewalt und schwere Körperverletzung bekannt
Gleichwohl sind der Verwaltung einzelne Vorkommnisse unterschiedlicher Schwere bekannt. Genannt werden verbale Streitigkeiten, Beleidigungen, körperliche Auseinandersetzungen, Bedrohungen und Nötigungen.
Darüber hinaus führt die Stadt auch sexuelle Gewalt sowie einfache, gefährliche und schwere Körperverletzungsdelikte auf. Betroffen seien nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch Lehrkräfte und pädagogische Beschäftigte. Doch konkrete Fallzahlen oder Angaben zu einzelnen Schulen nennt die Verwaltung nicht.
Diese Präventionsangebote gibt es bereits
An den Hildener Schulen werden nach Angaben der Stadt bereits unterschiedliche Programme eingesetzt. Dazu gehören unter anderem:
- soziales Lernen
- das Programm „Faustlos“ in den ersten beiden Klassen
- Kindersprechstunden
- soziale Trainings in der Schuleingangsphase
- Streitschlichterprogramme
- Fortbildungen zu Gewaltprävention, Antidiskriminierung und Demokratiebildung
- Förderung der Medienkompetenz bereits in der Grundschule
Bei konkreten Vorfällen können außerdem Anti-Gewalt-, Deeskalations- und Interventionskurse eingesetzt werden. Unterstützt werden Schulen und Familien unter anderem durch Schulsozialarbeit, multiprofessionelle Teams, mobile Beratungsangebote und sogenannte Clearingrunden. Die Verwaltung macht allerdings deutlich, dass solche Programme nur funktionieren, wenn sie kontinuierlich pädagogisch begleitet werden.
Externe Coaches sinnvoll – aber teuer
Den Einsatz externer Konflikt- oder Mobbingcoaches bewertet die Stadt grundsätzlich positiv. Unabhängige Fachkräfte könnten festgefahrene Konflikte häufig schneller erkennen und Gruppenprozesse aufbrechen. Ein flächendeckendes Angebot würde jedoch erhebliche finanzielle Mittel erfordern. Konkrete Kosten nennt die Verwaltung nicht.
In Kindertagesstätten hält sie dauerhaft eingesetzte Spezialcoaches derzeit nicht für notwendig. Anders sehe es an Grundschulen aus: Bereits ab der zweiten Klasse könnten erhebliche Mobbingdynamiken entstehen.
Regelmäßige Präventions- und Projekttage finden laut Stadt bereits statt. Verpflichtend vorschreiben könne Hilden solche Veranstaltungen allerdings nicht, weil der Schulträger dafür rechtlich nicht zuständig sei.
Mehr Platz könnte Konflikte entschärfen
Bemerkenswert ist die Antwort auf die Frage nach zusätzlichen Maßnahmen. Aus Sicht der Verwaltung benötigen die Schulen vor allem mehr Platz, mehr Personal und mehr Zeit.
Die seit Jahren hohen Schülerzahlen hätten dazu geführt, dass die Raumkapazitäten an sämtlichen Standorten weitgehend ausgeschöpft seien. Wenn Kinder und Jugendliche sich aus dem Weg gehen könnten und Rückzugsmöglichkeiten hätten, entstünden weniger Reibungspunkte. Gleichzeitig könnten Erziehende und Sozialarbeiter Konflikte früher wahrnehmen, wenn ausreichend Personal vorhanden wäre.
Das ist der Hintergrund der CDU-Anfrage
Die CDU reichte ihre Anfrage am 23. Juni 2026 ein. Sie fällt in eine bereits länger geführte Diskussion über zunehmende Konflikte und fehlende Transparenz an Schulen.
Schon im Mai 2025 hatten die Hildener Grünen nach einer systematischen Erfassung von Mobbing- und Gewaltfällen, bestehenden Hilfsangeboten und möglichen Verbesserungen gefragt. Anlass war nach Angaben der Fraktion die bundesweite Diskussion über steigende Fallzahlen.
Hinzu kommt eine im Oktober 2025 gestartete Online-Petition für sichere Schulen in Hilden. Darin beklagt eine Elterninitiative unter anderem unklare Beschwerdewege, fehlende einheitliche Standards und eine teilweise zu langsame Bearbeitung von Elternanliegen. Gefordert werden unter anderem eine unabhängige Anlaufstelle, regelmäßige Berichte und eine engere Zusammenarbeit von Schulen, Stadt, Schulaufsicht, Jugendamt und Polizei. Die Petition hat inzwischen mehr als 1.700 Unterstützer gefunden.
Quelle: Petition „Gewalt an Hildener Schulen muss aufhören“
Parallel sorgten neue Untersuchungen zur Gewalt an Schulen bundesweit für Aufmerksamkeit. Besonders das im Juni 2026 vorgestellte Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer berichtete über verbreitete Gewalt- und Ausgrenzungserfahrungen sowie schneller eskalierende Konflikte – auch an Grundschulen. Eine direkte Übertragung auf Hilden ist zwar nicht möglich. Die Studie dürfte die kommunalpolitische Debatte aber zusätzlich verstärkt haben.
Quelle: CDU Solingen zur Studie und zur regionalen Debatte
Die Antwort der Hildener Verwaltung macht damit ein grundsätzliches Problem sichtbar: Präventionsangebote sind vorhanden, doch ohne einheitliche Erfassung bleibt unklar, wie groß das Problem tatsächlich ist und ob sich die Situation verbessert oder verschärft.
Quelle: Stadt Hilden
bearb: LT
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