Droht der nächste Pipeline-Streit? Hilden will sich gegen CO₂-Leitung wehren

Gasnetzbetreiber plant eine Trasse durch den Kreis Mettmann – Verwaltung lehnt das ab – Politik berät

Jahrzehntelang haben sich die Städte im und rund um den Kreis Mettmann gegen den Bau und die Inbetriebnahme einer Kohlenmonoxid-Pipeline (CO) der Firma Bayer Material Science, später Covestro, gewehrt. Nun kündigt eine weitere Firma ihr Begehr nach dem Neubau einer Rohrleitung an. Diesmal geht es um Kohlendioxid (CO₂). Die Trasse soll unter anderem durch Hilden verlaufen. Und auch in diesem Fall meldet die Stadt Bedenken an. Beginnt damit ein neuer Kampf gegen einen Industriekonzern?

 

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Transport von Gas-Mischungen aus Industrieanlagen – Klimaziele erreichen

Die Open Grid Europe GmbH (OGE) aus Essen plant eine rund 200 Kilometer lange erdverlegte Transportleitung („Delta Rhine Corridor – DRC“) von den Niederlanden zur Nordsee. „Es geht dabei um CO₂ [aus Industrieanlagen], das sich, selbst mit modernster Technik kaum oder gar nicht vermeiden lässt – zum Beispiel bei der Herstellung von Zement, Kalk, in der Chemie oder bei der Müllverbrennung“, erklärt der Gasnetzbetreiber. „Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht, muss dieses CO₂ sicher abgeschieden und dorthin gebracht werden, wo es gespeichert oder weiterverwendet werden kann.“

Mit der geplanten Infrastruktur sollen die entsprechenden Standorte miteinander verbunden werden. Das biete die Möglichkeit, die Dekarbonisierungsziele zu erfüllen und klimaneutrale Produkte zu erzeugen, erläutert das Unternehmen.

 

Trassenverlauf:

Ein Strang verläuft vom Startpunkt in Gelsenkirchen-Scholven aus bis zu einem Gabelungspunkt nach Duisburg-Süd.
Dort gabelt sich der Verlauf zum einen in einer Schleife rund um Krefeld nach Venlo, zum anderen über den Kreis Mettmann, Düsseldorf und Leverkusen nach Köln-Wesseling.

 Trassenverlauf-CO2-Pipeline

 QuellePräsentationsvorlage zur Vorgehensweise und Methodik der Raumverträglichkeitsprüfung (RVP), Open Grid Europe GmbH

 

Stadtverwaltung befürchtet Gefahren und Flächenfraß

Die Stadtverwaltung Hilden sieht diesen Plan skeptisch – und weitere Kommunen könnten folgen, so wie bei der CO-Pipeline.

Am 11. Februar 2026 wird die Stellungnahme dem Stadtentwicklungsausschuss vorgelegt.

 

Die wichtigsten Kritikpunkte:

  • Durch die Leitung fließt eine „bislang unerprobte Mischung aus Gasen vieler beteiligter Industrien“, z.B. Chemie, Raffinerien, Zementfabriken oder Gaskraftwerken. Das erhöhe das Risiko von Rissen.
  • Durch das dicht besiedelte Hildener Stadtgebiet laufen bereits zahlreiche andere Transportleitungen. Weitere „fremdbestimmte“ Leitungen können zu Einschränkungen und „räumlichen und sachlichen Grenzen“ führen.
  • In die USA sei im Jahr 2020 eine CO₂-Pipeline in einem Dorf im Bundesstaat Mississippi explodiert. Das ausströmende Gas habe Anwohner vergiftet. Und Hilden besitze eine noch höhere Siedlungsdichte, daher bestehe hier eine Gefahr. Nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere.
  • Der Plan sieht „keine linksrheinische Trassenführung“ als Alternative vor.
  • Bei einer Trassenführung entlang der A3 seien „Eingriffe in Natur und Landschaft“ zu befürchten. Wegen der knappen Flächen auf Hildener Stadtgebiet seien „keine größeren Ausgleichsmaßnahmen“ realisierbar.
  • Die betriebsbedingten Auswirkungen seien „noch nicht abschließend beschreibbar, weil es noch keine Standards für den Betrieb von Transportleitung von gemischten CO₂ gibt“.
  • Die Trassenführung durch den Bereich Hilden-Ost verläuft „durch Areale, die durch den Gebietsentwicklungsplan, Flächennutzungsplan sowie Bebauungsplan als Siedlungsbereich dargestellt bzw. festgesetzt sind. Im dichtbesiedelten Stadtgebiet lässt sich ein angemessener Abstand nicht realisieren.“
  • Auch Fauna-Flora-Habitat-Gebiete, diverse Straßen, Wege, unterirdische Leitungen, Kanäle und Grünflächen sowie Grundstücke seien vom Trassenverlauf betroffen.

 

Die Stadtverwaltung empfiehlt also dem Stadtentwicklungsausschuss – und später den weiteren politischen Gremien – eine Ablehnung des Vorhabens.

Damit allein wird das Projekt aber sicherlich nicht aufgehalten. Es wird wohl der Anfang einer neuen langwierigen Diskussion sein. Über die CO-Pipeline wird seit knapp 20 Jahren gestritten…

 

Bericht: KA 

 

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