Stadt spricht sich gegen Nacht-Taxi-Gutscheine für Frauen aus

Verwaltung sieht keine belegte Sicherheitslücke, dafür aber hohe Kosten mit begrenzter Wirkung

Der Hauptausschuss der Stadt Hilden wird sich auf seiner kommenden Sitzung mit der Frage beschäftigen, ob Taxi-Gutscheine für Frauen in den Nachtstunden eingeführt werden sollen. Das geht aus einer aktuellen Verwaltungsvorlage hervor. Hintergrund ist eine Bürgeranregung nach § 24 der Gemeindeordnung NRW, die vorsieht, Frauen durch Gutscheine für Taxifahrten einen sichereren Heimweg in der Nacht zu ermöglichen.

Verwaltung würdigt Anliegen
Die Stadtverwaltung betont zunächst, dass das Anliegen grundsätzlich nachvollziehbar sei. Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Frauen, insbesondere in den Nachtstunden, hätten eine hohe gesellschaftliche Bedeutung.

Bereits heute beteilige sich die Stadt an verschiedenen Projekten gegen Gewalt an Frauen. Dazu gehören unter anderem Informationskampagnen, Beratungsangebote, Selbstbehauptungstrainings sowie Initiativen wie „Luisa ist hier“, bei der Frauen in Gaststätten in unangenehmen Situationen Hilfe beim Personal erhalten können. Auch der Kreis Mettmann arbeite mit einem „Runden Tisch gegen häusliche Gewalt“ an entsprechenden Präventionsmaßnahmen.

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Polizei sieht keine besondere Problemlage

Ein zentrales Argument gegen ein Gutscheinmodell ist nach Angaben der Verwaltung die Einschätzung der Kreispolizeibehörde. Diese hatte im Jahr 2024 Gewaltdelikte gegen Frauen im Zeitraum zwischen 21 und 6 Uhr ausgewertet.

Nach kriminalfachlicher Bewertung sei für den Bereich der Kreispolizeibehörde keine besondere Problemlage erkennbar. Eine ähnliche Initiative war deshalb bereits im Kreisausschuss des Kreises Mettmann beraten und mehrheitlich abgelehnt worden.

 

Maßnahme würde nur Teil des Heimwegs absichern
Die Verwaltung zweifelt außerdem an der tatsächlichen Wirksamkeit eines solchen Angebots. Ein Taxi-Gutschein könne lediglich einen Teil des Heimwegs absichern, etwa vom Bahnhof oder einem zentralen Ort bis zur Wohnung.

Der Weg zu diesen Ausgangspunkten, etwa zu Haltestellen oder Taxiständen, bliebe jedoch ungeschützt. Übergriffe könnten auch auf diesen Strecken stattfinden. Aus Sicht der Verwaltung würde ein Gutscheinmodell daher das grundlegende Sicherheitsproblem nur eingeschränkt lösen und eher Symptome bekämpfen.

Hohe Kosten für die Stadt
Ein weiterer entscheidender Punkt sind die finanziellen Folgen. In Hilden leben rund 26.000 Frauen ab 16 Jahren. Würde jede von ihnen maximal drei Gutscheine im Wert von jeweils zehn Euro erhalten, könnte ein jährliches Kostenvolumen von etwa 780.000 Euro entstehen.

Hinzu käme ein erheblicher Verwaltungsaufwand für Organisation und Abrechnung. Angesichts der angespannten Haushaltslage sieht die Stadt derzeit keine Möglichkeit, diese Mittel bereitzustellen, ohne an anderer Stelle zu kürzen.

Stadt setzt auf Prävention und bestehende Angebote
Statt eines Gutscheinmodells will die Verwaltung stärker auf präventive Maßnahmen setzen. Dazu gehören etwa sogenannte „Nightwalks“, bei denen Frauen in Gruppen Strategien zur Selbstbehauptung und zur Wahrnehmung von Gefahrensituationen lernen sollen.

Zudem sollen bestehende Angebote stärker bekannt gemacht werden. Dazu zählt etwa das bundesweite „Heimwegtelefon“, bei dem ehrenamtliche Helferinnen und Helfer Menschen nachts telefonisch auf dem Heimweg begleiten. Auch das Hilfsangebot „Luisa ist hier“ in der Gastronomie soll weiter ausgebaut werden.

Nach Abwägung aller Aspekte wird die Stadtverwaltung daher dem Hauptausschuss empfehlen, die Einführung von Taxi-Gutscheinen für Frauen nicht weiter zu verfolgen.

 


Quelle: Stadt Hilden
Bericht: LT

Fotos/Video: anzeiger24.de

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