
Mit einer Mahnwache protestierte der Hildener BUND noch einmal vor der Ratssitzung am 30. September 2026 am Bürgerhaus gegen das Wohnbauprojekt Hofstraße 150. Dieses letzte Aufbäumen hat aber nicht viel genutzt: Die Fraktionen von CDU und SPD votierten mit 29 Stimmen für den städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt und Wohnungsbaugesellschaft (WGH) Hilden und gaben damit den Weg für die Hinterlandbebauung frei. Die Gegner des Projektes von FDP, Grünen, AfD sowie Bürgeraktion / Piraten unterlagen mit 21 Stimmen.
Doch nicht nur darüber ärgern sich die Gegner des Vorhabens. Auch die Streuobstwiese ist nun zum Zankapfel herangereift.

Zur Erinnerung: Was ist geplant? Was sagen die Gegner, was die Verwaltung?
Claudia Roth, Sprecherin der BUND-Ortsgruppe Hilden, kommentiert: „Mal wieder soll in der am dichtest besiedelten kreisangehörigen Stadt in NRW ein Stück Freifläche am Stadtrand für Bebauung geopfert werden. Und das, obwohl Hilden schrumpft: Im ersten Halbjahr 2026 nahm die Einwohnerzahl um 333 Personen ab.Trotzdem soll weiter gebaut werden – ohne Rücksicht auf Frischluftschneisen, Überflutungsgebiete und ganz alltägliche Probleme wie fehlende Parkplätze und zu enge Straßen.“
Naturprojekt als Kompensation auf „Ökokonto“? „Nicht akzeptabel“ und „nicht erwünscht“
Das ist aber noch nicht alles: Seit einigen Wochen schwelt ein weiterer Streit, und zwar mit den Initiatoren, die die Streuobstwiese zwischen Hofstraße und Bahntrasse ermöglicht haben. Am Anfang gab es eine „fruchtbare“ Zusammenarbeit zwischen NABU, Bürgerverein Hilden-Süd sowie dem Pächter und der Stadtverwaltung: Zahlreiche Umweltschützer und Bürger haben 8.400 Euro Spenden gesammelt, um das Naturprojekt zu finanzieren. Die Stadt hatte den Betrag auf 10.000 Euro aufgerundet.
Der Kern des Problems: Wie sich später herausstellte, hat die Verwaltung die Fläche der Streuobstwiese mit dem „Ökokonto“ als Kompensation für den Verlust der Grünfläche verrechnet.
Darüber hatte sich der NABU bereits in einer Stellungnahme empört geäußert, wir haben berichtet.
Die Stadtverwaltung argumentiert: „Mit der Anerkennung der Fläche in das städtische Ökokonto ist auch die langfristige Sicherung der Maßnahme formal gewährleistet; zumal sich die Fläche im Eigentum der Stadt befindet. Für die Einbuchung von vorgezogenen Maßnahmen in ein Ökokonto sind zivilrechtliche Pacht- oder Mietverhältnisse nicht maßgeblich. Ungeachtet des ursprünglichen Grundes zur Umsetzung der Streuobstwiese bleibt der ökologische Wert und die identitätsstiftende Wirkung weiterhin erhalten.“
Inzwischen hat sich auch der Bürgerverein Hilden-Süd zu Wort gemeldet: „Die bekannten Erwiderungen von Seiten der Stadtverwaltung werden als nicht akzeptabel bewertet“, heißt es in einem Schreiben an Bürgermeister Claus Pommer. „Der Bürgerverein Hilden-Süd e.V. möchte festhalten, dass in keinem Falle für die Ermöglichung der Bebauung in der geplanten Form gespendet worden wäre. Diese Nicht-Beachtung der Einwände der Bürgerinnen und Bürger ist nicht akzeptabel, von den Spendern unerwünscht und missachtet einseitig den Spenderwillen.“
Diskussion im Stadtrat
Vor der Abstimmnung wurden noch einmal die Argumente ausgetauscht:
Für die FDP, Grüne und AfD ist die Bebauung zu massiv.
Ratsherr Ludger Reffgen (Bürgeraktion) erinnerte an den vergangenen Hitzesommer: „Da sollten bei jedem die Alarmglocken schrillen“. Zudem stellte er sich an die Seite der Spendensammler: „Die fühlen sich jetzt betrogen.“
Das sehen die Befürworter erwartungfsgemäß anders: Kevin Buchner (SPD) erläuterte, dass die Diskussion um die Bebauung bereits seit den 90er Jahren läuft. Die jetzige Vorlage sei ein „Kompromiss“ und eine „Minimallösung“. Und zu dieser Minimallösung habe die Einbeziehung der Streuobstwiese „von Anfang an“ gehört.
Buchner weiter: „Wir schaffen jetzt endlich dringend benötigten Wohnraum!“
Dazu ergänzte CDU-Ratsherr Kevin Schneider: „210 Familien haben sich bei uns gemeldet, die dringend eine Wohnung suchen.“ Das zeige, wie notwendig das Vorhaben sei. Außerdem: „Wir überprüfen jeden Bauantrag intensiv“, auch im Hinblick auf Klimaschutz. Die Gebäude würden beispielsweise weniger Energie verbrauchen. Damit sei diese Forderung erfüllt.
Und außerdem: „Wir werden in Hilden das Weltklima nicht retten. Dafür ist die Weltpolitik zuständig.“
Nun also kann die WGH das Projekt in Angriff nehmen.
Die Spender überlegen sich gerade, welche Konsequenzen sie ziehen wollen…
Bericht: KA
Foto: anzeiger24.de
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