„Bürgerfestival“ mit Profi-Band: SPD missgestimmt

Warum bezahlt die Stadt hohe Gage? Geht lokaler Charakter verloren?

Bürger spielen für Bürger – darum heißt die etablierte Veranstaltung auch „Bürgerfestival“. Es ist ein offenes Open Air-Event, umsonst und draußen, bei dem sich Menschen aus Hilden musikalisch einem größeren Publikum präsentieren (Beispielfoto aus dem Archiv oben). Dieses Format werde aber nun konterkariert, meint die SPD-Fraktion im Stadtrat und zitiert eine Mail des Kulturamtes an diverse Kulturschaffende: „Neben den Auftritten Ihrer und anderer Hildener Gruppen wird in diesem Jahr außerdem auf Wunsch unseres Bürgermeisters am Samstagabend von 20 bis 22 Uhr eine professionelle Band auf der Bühne Alter Markt spielen.“

Wieso „professionell“? Das fragen sich nun die Sozialdemokraten und haken bei der Stadtverwaltung nach.

 

Unbenannt-14-B-L

 

Stadt will „Angebot erweitern“ – Sozialdemokraten unzufrieden mit Antwort

„[Das Bürgerfestival] macht das breite Spektrum künstlerischen Schaffens vor Ort sichtbar und würdigt das Engagement sowie das Talent zahlreicher Bürgerinnen und Bürger, die mit ihren Beiträgen das kulturelle Leben aktiv prägen. Durch die gezielte Einbindung lokaler Akteurinnen und Akteure wird nicht nur kulturelle Vielfalt erlebbar, sondern auch die Verbundenheit innerhalb der Stadtgemeinschaft nachhaltig gestärkt. (…) Gerade eine vielfältige Kulturszene ist ein wesentlicher Motor für gesellschaftlichen Zusammenhalt, kreative Impulse und die Identität einer Stadt.“

 

Warum also soll jetzt überhaupt eine „professionelle“ Band auftreten? Nun liegt das Antwortschreiben aus dem Rathaus vor. Zunächst einmal heißt es: „Als professionell definiert die Verwaltung in diesem Zusammenhang Berufsmusiker, bzw. Bands, die von der Musik leben / mit der Musik ihren Lebensunterhalt sichern.“

Für die vierte Ausgabe des Bürgerfestivals am Wochenende 11. und 12. Juli 2026 wolle die Stadt Hilden durch die „Erweiterung des Angebots auch neue Festivalbesucher erreichen – auch in Kauf nehmend, dass Nicht-Hildener auch Gage verlangen“, heißt es weiter.

Was die SPD ebenso entrüstet: Es werden Gagen in Höhe von 4.175 Euro gezahlt, die aus zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel gedeckt seien.

 

Und wie soll sichergestellt werden, dass es „keine strukturelle Verschiebung innerhalb des Festivalprogramms“ gibt und „der Charakter des Bürgerfestivals als Plattform der lokalen Kulturszene erhalten bleibt“, will die SPD weiter wissen. „Abgesehen von dieser einen Band haben alle anderen Akteure einen Bezug zu Hilden“, erläutetr das Rathaus.

 

Mit diesen Antworten will sich die SPD nicht zufrieden geben.

 

„Das passt nicht zusammen!“ Kritik an Ausgaben bei angespannter Haushaltslage

Wegen der angespannten Haushaltslage kritisiert die Fraktion die Prioritätensetzung der Stadtverwaltung scharf. Die Kosten für die Gage sei „ein problematisches Signal, insbesondere in einer Situation, in der jede freiwillige Ausgabe kritisch geprüft werden müsse“, sagt Ratsherr Steffen Kirchhoff: „Wir bewegen uns in Richtung Haushaltssicherung. Gleichzeitig werden öffentliche Mittel für externe professionelle Künstler eingesetzt, während das Bürgerfestival ursprünglich als Bühne für die Hildener Kulturszene geschaffen wurde. Das passt nicht zusammen.“

 

Das Engagement von lokalen Musikerinnen und Musikern, Chören und Vereinen sei ein zentraler Bestandteil der städtischen Identität und dürfe „nicht relativiert“ werden: „Gleichzeitig gibt es auch in Hilden sehr wohl Bands, die ihren Lebensunterhalt mit Musik verdienen und professionell tätig sind, ohne dass hierfür zwingend externe Acts engagiert werden müssten“, so Kirchhoff. Gerade vor dem Hintergrund knapper werdender Haushaltsmittel sei es schwer vermittelbar, „warum für externe, nicht in Hilden verankerte professionelle Acts zusätzliche Mittel eingesetzt werden, während lokale Akteure häufig mit geringen oder rein symbolischen Aufwandsentschädigungen auskommen“.

 

Bericht: KA
Archivfoto: anzeiger24.de

 

Weitere Nachrichten aus Hilden gibt es unter www.anzeiger24.de/hilden/news/

 

Du hast einen Tipp, eine Anregung, zu welchem Thema wir einmal recherchieren sollten?

Schreib uns an presse@deinhilden.de. Deine Zuschrift wird streng vertraulich behandelt!

 


Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an

presse@anzeiger24.de

oder als Kommentar bei Facebook.

Euch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.