Garten an der Itter-Brücke: Treppe und Hütte entfernt – Was sagt der BRW dazu?

Ex-Chemielehrer Dr. Enßlin musste Oase nach 14 Jahren räumen – Das sind die Gründe

Den diesjährigen Feiertag zur Deutschen Einheit, 3. Oktober, haben rund 15 fleißige Helferinnen und Helfer nicht zum chillen oder für Ausflüge genutzt, sondern um Dr. Walther Enßlin bei einer beschwerlichen Aufgabe zu unterstützen: Wie berichtet, soll der beliebte pensionierte Chemielehrer auf Anordnung des Bergisch-Rheinischen Wasserverbandes (BRW) die Steintreppe und eine kleine Hütte in seinem selbstverwalteten Garten am Ufer der Itter beim Fritz-Gressard-Platz beseitigen. All das haben die Anpacker nach dem Aufruf tatsächlich an einem Tag geschafft. „Die Menschen haben eine Kette gebildet, ganz toll“, so bedankt sich der 83-Jährige. Nun muss der Bauschutt noch abgeholt werden, auch das wird in den kommenden Tagen organisiert.

Dennoch können Dr. Enßlin und seine Gefährten nicht nachvollziehen, warum der BRW jetzt auf einmal, nach 14 Jahren, die Kooperation aufgibt.

Wir haben nachgefragt. Geantwortet hat uns Christoph Nietfeld, Fachbereichsleiter Gewässer.

 

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„Hütte hatte keine Genehmigung“

Zunächst einmal sei klarzustellen, dass es nie eine konkrete Vereinbarung oder einen schriftlichen Vertrag gab: „Es handelte sich lediglich um eine stillschweigende Duldung in Bezug auf die Pflege der Böschung und die Entnahme von Wasserproben.“

 

Und warum nun die Auflösung? „Das Gelände muss geräumt werden, weil durch die eingebrachten Gegenstände teilweise der Hochwasserabfluss behindert wird und weil z. B. die Hütte in einer Uferböschung nicht zulässig ist“, erklärt der Dipl.Ing. „Alle baulichen Anlagen, dazu gehören auch Gehwegplatten, Mauern, Zäune, Hütten usw. sind genehmigungspflichtig oder müssen entsprechende Abstände zur Böschungsoberkante des Gewässers einhalten. Da der BRW Grundstückseigentümer der Fläche ist, sind wir auch dafür verantwortlich, was dort steht. Das geht weit über das Maß hinaus, was tolerierbar gewesen wäre.“

 

Dem widerspricht Dr. Enßlin: „Es sind von mir keine baulichen Änderungen im Hochwasserbereich angebracht worden. Die Hütte an der Brücke ist genau in der Verlängerung der Brücken und war mit einem Mitarbeiter des Wasserverbandes abgestimmt.“

Allerdings hat seitdem das Personal gewechselt, und offenbar beurteilt die neue Führung die Situation etwas anders.

 

Hochwassergefahr durch Hütte oder Kies?

Auch eine Hochwassergefahr durch seine Anlagen sieht Dr. Enßlin nicht, im Gegenteil: „Ich kann mit Bildern vom Hochwasser von 2021 nachweisen, dass damals der Engpass für den Durchfluss des Itterwassers die Brücke am Fritz-Gressard-Platz war. Der Wasserstrom füllte die Brücke bis unter die Decke aus.“ Auch der Kies im Bachbett, der immer noch nicht beseitigt wurde und daher eine Gefahr beim nächsten Hochwasser darstelle, sei dafür mitverantwortlich, meint Dr. Enßlin. „Dieser Querschnitt war damals wie heute massiv durch das etwa 50 Zentimeter hohe Kiesbett und Brückenbreite unter der Brücke blockiert.“

 Itter-Kies-Hochwasser

Ist dieser Kies eine Gefahr bei Hochwasser? Das meint zumindest Dr. Walther Enßlin. Der BRW widerspricht.

 

Dieses Argument wiederum lässt der BRW-Mitarbeiter nicht gelten: „Es handelt sich um natürliches Sohlsubstrat, das der Bach bei höheren Abflüssen transportiert und an anderen Stellen wieder ablagert. Sobald es an einer Stelle zu viel sein sollte, sodass der Abfluss behindert wird, führen wir eine Grundräumung durch, wie wir es auch schon an anderen Stellen in der Itter getan haben. Hier liegt derzeit jedoch kein Problem für den Abfluss vor.“

Wie auch immer: Die baulichen Vorrichtungen sind nun also nicht mehr da. Was soll nun mit den Pflanzen und Blumen passieren? Dazu erklärt Christoph Nietfeld: „Die Fläche wird der natürlichen Entwicklung überlassen und im Rahmen der Gewässerunterhaltung regelmäßig gemäht.“

Damit endet also eine spezielle Ära in der Hildener Oasenlandschaft. Das wird Dr. Enßlin aber sicherlich nicht davon abbringen, sich weiter für den Naturschutz einzusetzen.

 

Bericht: KA
Fotos: anzeiger24.de

 

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