Grüne bestätigen Kritik an Hildens Wechselbeeten – doch warum ist bis heute nichts passiert?

Nach anzeiger24-Recherche räumt die Umweltpartei die ökologischen und wirtschaftlichen Nachteile ein

Mit unserer Berichterstattung über die Wechselbeete im Stadtgebiet hatten wir kürzlich eine Diskussion über die Gestaltung öffentlicher Grünflächen angestoßen. Im Mittelpunkt standen zwei Fragen: Ist es angesichts knapper Kassen und wachsender Anforderungen an Klima- und Umweltschutz noch sinnvoll, Pflanzen zweimal im Jahr komplett auszutauschen? Und ist dieses System tatsächlich wirtschaftlicher als dauerhafte Staudenpflanzungen, wie die Stadtverwaltung bislang argumentiert?

Denn die halbjährliche Neubepflanzung kostet Jahr für Jahr mehrere Tausend Euro. Hinzu kommt ein erheblicher personeller Aufwand im städtischen Bauhof. Alle sechs Monate werden die vorhandenen Pflanzen entfernt und entsorgt, neue Pflanzen gesetzt sowie anschließend gepflegt und bewässert.

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Vor diesem Hintergrund hatten wir einen ausführlichen Fragenkatalog an die Hildener Grünen gerichtet. Die Antworten fallen überraschend eindeutig aus: Die Partei bestätigt nahezu alle Kritikpunkte, die bereits Gegenstand unserer Berichterstattung waren.

Klare Kritik am bisherigen System

Aus ökologischer Sicht bewerten die Grünen die bisherige Wechselbepflanzung sehr kritisch. Das System sei durch kurze Lebenszyklen, einen hohen Ressourcenverbrauch sowie einen erheblichen Einsatz von Wasser, Personal und Pflege geprägt. Angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise sei diese Form der Bepflanzung aus ihrer Sicht „nicht mehr zeitgemäß“. Stattdessen sprechen sich die Grünen ausdrücklich für dauerhafte Stauden- und Naturbeete aus, die weniger Pflege benötigen, den Wasserverbrauch reduzieren und gleichzeitig einen deutlich höheren Nutzen für Insekten und die Artenvielfalt bieten.

Auch wirtschaftlich sehen die Grünen Vorteile bei Stauden

Bemerkenswert ist, dass die Grünen nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich zu einem anderen Ergebnis kommen als die Stadtverwaltung. Während die Verwaltung in der Vergangenheit mehrfach erklärt hatte, Wechselbeete seien zumindest aus wirtschaftlicher Sicht günstiger als dauerhafte Staudenpflanzungen, sehen die Grünen gerade in den laufenden Kosten für Pflanzen, Pflege und Personal ein wesentliches Problem. Aus ihrer Sicht sollten die finanziellen Mittel schrittweise in langlebige, klimaresiliente Pflanzkonzepte investiert werden, die sich langfristig sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich auszahlen.

Zustimmung zur Kritik – aber warum erst jetzt?

Die Stellungnahme wirft allerdings eine weitere Frage auf. Die Grünen bezeichnen Wechselbeete heute als „nicht mehr zeitgemäß“. Diese Formulierung legt nahe, dass sich die Bewertung erst in jüngerer Zeit geändert habe.

Dabei stellt sich die Frage, ob sich die ökologischen Zusammenhänge tatsächlich grundlegend verändert haben. Schließlich mussten Pflanzen auch vor zehn oder zwanzig Jahren produziert, transportiert, bewässert und nach wenigen Monaten wieder entfernt werden. Die kurzen Lebenszyklen, der Ressourcenverbrauch und der personelle Aufwand waren keine neuen Erkenntnisse. Vor diesem Hintergrund erscheint weniger die heutige Bewertung bemerkenswert als vielmehr die Tatsache, dass diese Erkenntnisse offenbar erst jetzt bei den Hildener Grünen angekommen sind.

Viele Jahre im Stadtrat – bislang ohne erkennbare Konsequenzen

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Die Grünen gehören seit vielen Jahren dem Hildener Stadtrat an und verstehen sich selbst als Partei des Klima- und Umweltschutzes. In ihrer Stellungnahme erklären sie zwar, das Thema sei bereits innerhalb der Fraktion beraten und auch gegenüber der Stadtverwaltung angesprochen worden. Wirklich? Denn bislang sind weder politische Anträge noch öffentliche Initiativen bekannt geworden, mit denen die bisherige Praxis grundlegend hätte geändert werden sollen.

Gerade deshalb überrascht die Deutlichkeit der jetzigen Antworten. Denn in nahezu allen wesentlichen Punkten bestätigen die Grünen genau jene Kritik, die wir bereits seit Jahren äußern. Offen bleibt nun, ob den klaren Aussagen der Grünen erstmals auch konkrete politische Schritte folgen oder ob die Erkenntnis über die ökologischen und wirtschaftlichen Nachteile der Wechselbeete erneut ohne praktische Konsequenzen bleibt.


Bericht: LT

Fotos/Video: anzeiger24.de

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