
Wenn lokale Unternehmer über Hilden sprechen, heben sie meistens erst den „hervorragenden Wirtschaftsstandort“ mit seinem vielseitigen Branchenmix aus kleinen und mittelständischen Betrieben sowie international agierenden Firmen hervor. Sogleich folgt jedoch das große „Aber“: die Konjunkturflaute, die Weltlage, die Energiepreise, die Wettbewerbsnachteile und vor allem die Bürokratie lähmen Investitionen und Wachstum. Und genau mit diesen Sorgen beschäftigte sich auch der diesjährige Unternehmertag, den die Stadt Hilden und der Industrieverein beim Mitorganisator Gewerbepark-Süd am 15. September 2026 ausrichteten. Als Gastredner hatte der NRW-Landesfinanzminister Dr. Marcus Optendrenk (CDU, Foto oben mit Moderatorin Alexandra Rath) die Aufgabe, die anwesende Unternehmerschaft über die aktuellen Pläne der Regierung zu informieren und einen Ausblick in die Zukunft zu bieten.

v.l.: Hildens Bürgermeister Claus Pommer, Christian Schwenger (Wirtschaftsförderung Hilden), Minister Optendrenk, Michael Braun (Gewerbepark-Süd), Claudia Schlottmann (MdL und Ratsfrau), Jörg Becklas, Andreas Duch und Nina Härtel (Hildener Industrieverein) sowie Matthias Braun (Gewerbepark-Süd).
Weniger Berichtspflichten, schnellere Genehmigungen und digitale Verwaltung
Dabei erinnerte der studierte Jurist und Historiker an eine Initiative von Bund und Ländern, die sowohl Unternehmen als auch Kommunen von lästigen und überflüssigen Vorschriften entlasten soll: über 200 Maßnahmen sollen für „weniger Bürokratie, schnellere Verfahren, leistungsfähige Strukturen, digitale Services und eine bessere Rechtsetzung“ sorgen. Mehr Infos dazu gibt es hier.
„Wir sind mittendrin dabei, das umzusetzen – auch wenn die Medien darüber nicht viel berichten“, so der Minister. So sollen ab Januar 2027 viele Berichtspflichten abgeschafft werden – eine „sehr deutsche“ Eigenheit, wie Optendrenk selber anmerkte. Bisher gilt: Mit den zahlreichen Dokumentationen sollen Betriebe nachweisen können, dass sie alles „richtig“ gemacht haben, falls es zu einem Zwischenfall kommen sollte. Diese Beweislast werde dann umgekehrt, erklärte Optendrenk: Die Behörden müssten ein Fehlverhalten nachweisen.
Außerdem sei die Landesbauordnung entrümpelt worden, damit schnellere Genehmigungen möglich werden. Durch eine einheitliche Digitalisierung werden alle Behörden in Zukunft Zugriff auf dieselben Daten haben, so dass es keinen Flickenteppich mehr gibt.
Zweites Rechenzentrum für mehr Resilienz bei der Datensicherheit
Auch verwies der gebürtige Nettetaler auf die Fortschritte beim Straßen- und digitalen Ausbau und versicherte: „Vergessen Sie alles, was das ifo-Institut erklärt hat. In NRW gab es keine Fehlverwendung von Mitteln aus dem Sondervermögen.“
Ein großer Teil der Mittel fließe beispielsweise zu den Kommunen, damit sie vor Ort handlungsfähiger werden – also auch im Kreis Mettmann.
Außerdem investiere das Land ordentlich in die IT-Sicherheit. Neben dem neuen Rechenzentrum in Kaarst werde in Ostwestfalen eine weitere Anlage gebaut, die bei einem Ausfall, Hacker-Angriff oder im Katastrophenfall einspringt. „Damit steigern wir unsere Resilienz“, so Optendrenk.
Eine weiterer Batzen – rund 40 Prozent – des Haushalts sei für Bildung verplant: „Die sinnvollste Investition, die es gibt.“ Denn nur mit Schul- und Berufsabschluss könnten junge Menschen „auf ihren eigenen Füßen stehen“ statt auf Transferleistungen angewiesen zu sein.
Dafür stehe mehr Geld beispielsweise für Lehrkräfte, Sozialpädagogen und Betreuung zur Verfügung.
Außerdem ging der 57-Jährige auf eine Bitte des Industrievereins-Vorstandes Jörg Becklas ein: Die Finanzbehörden mögen doch bitte nicht so „misstrauisch“ gegenüber den Unternehmen sein. Das sieht der oberste Kassenwart des Landes ähnlich: Wer sich an die Regeln halte, sollte vom Finanzamt auch unbehelligt bleiben.
All dies und noch viel mehr mache der Staat mit dem Geld, was die Steuerzahler ihm gibt. Optendrenk wünscht sich daher mehr Optimismus und Wertschätzung über das Erreichte.
Bericht: KA
Foto: anzeiger24.de
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