
***Kommentar***
Beschmierte Blumenkübel, Abfall, Unkraut und ein zeitweise vollständig übersprühtes Namensschild: Der Europaplatz im Holterhöfchen soll für Frieden, Demokratie und europäische Werte stehen. Tatsächlich bietet er ein unwürdiges Bild. Auf Anfrage von anzeiger24 räumt die Stadt Hilden selbst ein, dass der Zustand diesem Anspruch nicht gerecht wird.
Konsequenzen zieht sie daraus jedoch nicht.
Kontrollen ohne sichtbaren Erfolg
Nach Angaben der Verwaltung wird die Anlage regelmäßig kontrolliert. Abfälle werden gesammelt, Mülleimer geleert, Kübel bewässert und der Rasen gemäht. Trotzdem blieben offensichtliche Mängel längere Zeit bestehen. Die Stadt erklärt, der Bauhof (verantwortlicher Dezernent: Peter Stuhlträger) und Reinigungsunternehmen hätten vergeblich versucht, die Graffiti zu entfernen. Sie sagt aber nicht, wann die Schäden entdeckt wurden, wie schnell gehandelt wurde und warum nicht wenigstens das übersprühte Schild umgehend ersetzt wurde.
Besonders schwach: Kurzfristig seien keine zusätzlichen Maßnahmen vorgesehen. Der Bauhof habe dafür keine Kapazitäten, die Anlage sei ohnehin nur provisorisch.
Damit wird das Wort „Zwischenlösung“ zur Ausrede. Wer einen Ort mit Europa, Demokratie und Menschenrechten auflädt, kann dessen Verwahrlosung nicht jahrelang mit dem Hinweis auf ein späteres Gesamtkonzept und unkontrollierbaren Kapazitätsengpässen rechtfertigen.
Fehlplanung neben der Skateranlage
Bemerkenswert ist eine weitere Antwort der Stadt: An der benachbarten Skateranlage werden Graffiti geduldet. Jungen Nutzern sei deshalb kaum zu vermitteln, warum die Blumenkübel nicht ebenfalls besprüht werden dürften. Das ist ein Eingeständnis planerischer Naivität. Das Besprühen fremden Eigentums bleibt falsch. Doch wer empfindliche, kaum zu reinigende Kübel direkt neben einer tolerierten Graffiti-Fläche aufstellt, darf vom Ergebnis nicht überrascht sein. Eine Schutzfolie passe nicht auf die Kübel. Ein neuer Anstrich schaffe nur eine neue „Leinwand“. Damit bestätigt die Stadt ein Weiteres: Material, Gestaltung und Standort passen nicht zusammen.
Warum wird der Platz nicht einfach geräumt?
Die Stadt will Kübel, Bänke und Fahnenmast später möglicherweise in die Neugestaltung des Holterhöfchens übernehmen. Doch wann diese kommt, ist völlig offen.
Zwei Förderanträge wurden abgelehnt, über einen dritten Antrag vom Juli 2026 ist noch nicht entschieden. Selbst bei einer Zusage kann die Umsetzung bis zu vier Jahre dauern.
Soll dieses beschädigte und beschämende Provisorium so lange stehen bleiben?
Sinnvoller wäre es, alles abzubauen, brauchbare Teile (wenn überhaupt vorhanden!) einzulagern und nach einem politischen Grundsatzbeschluss neu anzufangen. Das wäre ehrlicher, als eine misslungene Übergangslösung auf unbestimmte Zeit weiterzuführen.
Ein Europaplatz, den viele gar nicht kennen
Irritierend ist auch, dass die Verwaltung den Standort weiterhin für richtig hält. Die Fläche zwischen Berufskolleg, Hildorado und Helmholtz-Gymnasium sei zentral und werde von vielen (!?) Menschen genutzt.
Das überzeugt nicht. Der Bereich ist zwar öffentlich zugänglich, liegt aber abseits der eigentlichen Innenstadt und wird vor allem von Schülern, Skatern sowie Besuchern der umliegenden Einrichtungen wahrgenommen. Viele Hildener dürften den Platz bestimmt nicht kennen.
Europa sollte nach dem ursprünglichen politischen Anspruch im Alltag der Bürger sichtbar werden. Dafür ist ein schwer wahrnehmbarer Platz neben einer Skateranlage denkbar ungeeignet.
Standortvorteil: keine neuen Hausnummern
Eine deutlich sichtbarere Alternative gab es: Die Grünen wollten den Bahnhofsvorplatz zum Europaplatz machen. Der Rat lehnte das ab und entschied sich für das Holterhöfchen.
Ein Argument der Verwaltung lautete damals tatsächlich, dass die Grünfläche benannt werden könne, ohne die Adressen umliegender Gebäude zu verändern. Beim Bahnhofsvorplatz wären dagegen möglicherweise Änderungen an der Bahnhofsallee erforderlich geworden.
Verwaltungstechnisch mag das bequem sein. Als entscheidender Grund für einen repräsentativen Europaplatz ist es kleinkariert und geradezu albern. Ein bedeutender öffentlicher Ort sollte dort entstehen, wo er sichtbar ist und Menschen erreicht und nicht dort, wo seine Benennung den geringsten Verwaltungsaufwand verursacht.
Was bleibt am Ende von 13.500 Euro?
Rund 13.500 Euro kostete die vorläufige Ausstattung. Das Ergebnis ist ein kaum bekannter Platz mit beschädigten Kübeln, einem übersprühten Schild und einer Verwaltung, die keine dauerhafte Lösung sieht.
Bevor weiteres Geld in das Holterhöfchen fließt, muss deshalb auch der Standort neu bewertet werden.
Sichtbarkeit, Aufenthaltsqualität und Bedeutung müssen wichtiger sein als bequeme Hausnummernfragen.
Und die Konsequenz kann nur lauten: Provisorium abbauen, Konzept neu denken und den besten Standort suchen.
Bericht: LT
Foto: anzeiger24.de
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