Mobilitätskonferenz: Zankapfel Tempo 30 – Was sagen nun die Bürger?

Stadt will Tempolimit auf allen Hauptstraßen – Skepsis bleibt – Politik muss nun entscheiden

Dieses Thema „bewegt“ buchstäblich viele Menschen in Hilden – und das in gleich mehreren „Lagern“: Radfahrer, Autofahrer, Fußgänger und Bus-Pendler. Die Stadt will bis 2035 „klimaneutral“ werden und daher mit einem „Mobilitätskonzept“ neue Leitlinien für den Stadtverkehr setzen. Nach einem Vorschlag der Verwaltung soll auch auf den Hauptverkehrsachsen Tempo 30 (Walder Straße, Gerresheimer Straße, Richrather Straße etc.) gelten. Noch ist nichts entschieden; die Stadtratsfraktionen sind noch gespalten.

 

Bei der „Mobilitätskonferenz“ am 27. Juni 2024 in der Stadthalle (Foto oben: Lutz Groll vom Planungsamt) sollten nun die Betroffenen zu Wort kommen. Viele von ihnen haben die Gelegenheit auch genutzt….

 

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Der Plan

Ziel sei es vor allem, die Fortbewegungsarten innerhalb der Stadt umzuverteilen, erklärte Referent Lennart Bruhn vom beauftragten Planungsbüro „büro stadtverkehr“.

175.000 Wege werden laut einer Analyse täglich in Hilden zurück gelegt werden, die meisten davon – 89.500 – mit Individualverkehr per PKW oder LKW (MIV).

Bei der Umstrukturierung sollen am Ende 19.000 Wege weniger mit dem MIV zurück gelegt werden, dafür 3.500 mehr zu Fuß, 9.500 mehr mit dem Fahrrad und 6.000 mehr mit den öffentlichen Bussen.

 

Und wie soll das erreicht werden? Dafür haben das Rathaus und Planungsbüro einen schwergewichtigen Katalog an Maßnahmen zur Prüfung erstellt (hier zum nachlesen).

Über allem aber ragt das Thema „Tempolimit“ heraus. Und in den Sozialen Medien wurde bereits ausgiebig über Sinn und Unsinn eines solchen Eingriffs debattiert.

 

Für Lennart Bruhns sind die Vorteile klar:

  • Mehr Sicherheit und bessere Verhältnisse auf den Straßen für Radfahrer und Fußgänger – beispielsweise könnten Radwege auf die Fahrbahn verlegt werden, sodass auf den Bürgersteigen wieder mehr Platz für die Passanten ist.
  • Bessere Luft und damit eine höhere Aufenthaltsqualität
  • Weniger Lärm
  • Weniger Stau und ein besserer Verkehrsfluss, weil alle Fahrzeuge gleich schnell sind
  • Die Einführung eines generellen Tempo 30-Limits „ist die billigste Maßnahme, weil dafür nichts umgebaut werden muss“, so Bruhns.

Das hätten auch Beispiele in Düsseldorf, Witten, Haan. Marl, Langenfeld und Frankfurt/Main gezeigt und sei auch durch wissenschaftliche Studien belegt.

Außerdem haben der Bundestag und Bundesrat vor kurzem eine Änderung der Straßenverkehrsordnung beschlossen: Demnach wird den Kommunen mehr Handlungsfreiheit und Flexibilität beipsielsweise beim Einrichten von Tempo 30- oder Anwohnerpark-Zonen und mehr Busspuren eingeräumt. Und das will die Stadt Hilden nun nutzen.

 

Die Kritik

Das sahen viele Besucherinnen und Besucher der Mobilitätskonferenz erwartungsgemöß anders. Sie kritisieren u.a., dass viele Menschen auf das Auto angewiesen seien (zum Beispiel Senioren), dass der ÖPNV keine wirkliche Alternative sei, dass Unternehmen (etwa im Handwerk) „ausgebremst“ werden oder dass die PKW erst recht Lärm produzieren und mehr CO2 ausstoßen, wenn sie in einem niedrigeren Gang fahren.

Stattdessen wünschen sich viele mehr Kontrollen gegen Raser und Falschparker oder mehr Kreisverkehre.

 

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Wie geht es nun weiter?

„Was passiert nun mit unseren Meinungen?“, fragte ein Besucher. Alle Beiträge, Anregungen, kritische und lobende Äußerungen und Wünsche würden in den weiteren Prozess einfließen, versprach Lenart Bruhns.

Die Eingaben werden nun ausgewertet, das Mobilitätskonzept überarbeitet, und nach der Sommerpause werde die Politik beraten – und eine Entscheidung treffen.

 

Doch was auch immer dann beschlossen wird, eins dürfte feststehen: Der Konflikt zwischen den einzelnen Lagern wird weiter schwelen.

 

Alle Infos zum Mobilitätskonzept gibt es hier.

Zwischenbericht

Bericht: Achim Kaemmerer
Fotos: anzeiger24.de

 


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