
Ganztagsbetreuung in Grundschulen – für viele Eltern mittlerweile normal und selbstverständlich. Und seit Anfang August 2026 haben sie sogar einen Rechtsanspruch auf eine Versorgung nach dem Unterricht. Allerdings bringt dieses Bundesgesetz auch viele Kommunen in Bedrängnis, die diese Vorgabe nun erfüllen müssen. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Mittel, sondern auch um qualifiziertes Personal und optimal ausgestattete Räume.
Wie ist die Situation in Hilden? Haben wir nachgefragt.
Die Stadtverwaltung teilt uns folgende Antworten mit:
Räumliche Ausstattung
„Die maximal mögliche Raumbelegung ist an fast allen Standorten erreicht“, heißt es, aber auch: „An mehreren Schulen sind in den kommenden Jahren noch Bau- und Umbaumaßnahmen vorgesehen, um den steigenden Anforderungen des Ganztags gerecht zu werden.“
Eine Übersicht über die aktuelle Raumsituation, den jeweiligen Erweiterungs- und Anpassungsbedarf und viele weitere Infos sind aus dem OGS-Rahmenkonzept ersichtlich.

Personelle Ausstattung
Antwort aus dem Rathaus: „Im Schuljahr 2026/2027 werden insgesamt 53 OGS-Gruppen eingerichtet. Jede Gruppe ist mit einer staatlich anerkannten Erzieherin bzw. einem staatlich anerkannten Erzieher und einer weiteren OGS-Fachkraft (Quereinsteiger*in mit LVR-Fortbildung zur OGS-Fachkraft) besetzt. Jeweils zwei Koordinator*innen leiten gemeinsam den Offenen Ganztag vor Ort, sie arbeiten parallel als Erzieher*innen im Gruppendienst und sind für ihre Leitungstätigkeit nur wenige Stunden freigestellt.
An den Schulen des Gemeinsamen Lernens (GL) wird die personelle Ausstattung zusätzlich durch jeweils eine halbe Stelle für OGS-Sozialarbeit ergänzt. An der Ganztagsgrundschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wird darüber hinaus im OGS-Team noch eine Erzieherin mit einer heilpädagogischen Zusatzqualifikation eingesetzt.
Zusätzlich setzt die Stadt drei staatlich anerkannte Erzieher*innen mit jeweils 22 Stunden/Woche als Springerkräfte ein. Sie unterstützen die Einrichtungen dabei, krankheitsbedingte Personalausfälle aufzufangen und die Betreuungsqualität möglichst kontinuierlich sicherzustellen.“
An welchen Schulen gibt es noch (Nachhol-)Bedarf?
Dazu erklärt die Verwaltung: „Die Erweiterungsmaßnahme an der Wilhelm-Hüls-Schule soll nach heutigem Stand im 4. Quartal 2026 starten. Die Planung für die Erweiterung der Grundschule Beethovenstraße beginnt.
Die Schulraumsituation an den Standorten der Wilhelm-Busch- und der Astrid-Lindgren-Schule sollte nach einem Gutachten zur Schulentwicklung perspektivisch ebenfalls in den Blick genommen werden. Konkrete Pläne existiere zum jetzigen Zeitpunkt nicht.
An den Grundschulen Am Elbsee, Schulstraße und Im Kalstert/Walderstraße sind aktuell keine weiteren Maßnahmen geplant.“
Zur Fachkräfte-Gewinnung läuft aktuell eim Ausschreibungsverfahren für zwei Erzieherinnen/Erzieher und eine OGS-Fachkraft. Dies sei durch eine „normale Personalfluktuation (Rente, Elternzeit, Krankheit)“ begründet.
Welche Angebote machen die Schulen den Kindern?
Neben Unterricht, Lernzeiten und der Hausaufgabenbetreuung bietet der Offene Ganztag ein vielfältiges Spektrum an pädagogischen Angeboten rund um das gemeinschaftliche Lernen und Erleben. Ziel sei es, jedem Kind sowohl Freiräume für Rückzug, Ruhe und selbstbestimmte Beschäftigung als auch vielfältige Möglichkeiten für gemeinsames Spielen, Lernen und soziale Erfahrungen zu bieten.
Das Angebot der Stadt Hilden umfasst, je nach Schulstandort in additiven und rhythmisierten Ganztagsformen, unter anderem:
- Unterstützung bei den Lernzeiten und der Hausaufgabenbetreuung
- einen pädagogisch begleiteten Mittagstisch
- Freispiel und pädagogisch begleitetes Freispiel
- Arbeitsgemeinschaften (AGs)
- Projekte
- Ferienangebote
„Ein weiterer wesentlicher Baustein des Offenen Ganztags ist die vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft zwischen den pädagogischen Fachkräften der OGS und den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten“, ergänzt die Verwaltung. „Der regelmäßige Austausch und die enge Zusammenarbeit tragen dazu bei, die Kinder sowohl in ihrer schulischen als auch in ihrer persönlichen Entwicklung bestmöglich zu begleiten und zu fördern.“
Die pädagogischen Angebote der Offenen Ganztagsschule (OGS) sind im OGS-Rahmenkonzept 2030 auf den Seiten 16 bis 21 ausführlich beschrieben.
Wie viele Eltern nutzen das Angebot?
„Rechtsanspruch“ bedeutet ja nicht, dass Eltern ihre Kinder im Ganztagsbetrieb anmelden müssen. In vielen Familien kommen die Kinder nach dem Unterricht auch wieder nach Hause.
Wie viele Eltern nutzen also das Angebot?
Das listet die Stadt auf:
- GGS Am Elbsee: 110
- GGS Wilhelm-Busch-Schule: 220
- GGS Wilhelm-Hüls-Schule: 243
- GGS Gemeinschaftsgrundschule Beethovenstraße: 206
- KGS Astrid-Lindgren-Schule: 137
- GGS Im Kalstert: 182
- GGS Schulstraße: 220
- Gesamt: 1318
Bedeutet gemessen an der Schülerzahl in Hilden: „Am offenen Ganztag nehmen etwas über 60 % der Schüler*innen teil, 30 % nutzen die Angebote bis 14 und 14.30 Uhr. 10 % der Kinder nutzen nicht die Betreuung für Schüler*innen nach Unterrichtsende.“
Welche Aufwendungen musste die Stadt Hilden leisten?
Auch dazu fügt die Stadt Hilden eine Übersichts-Tabelle hinzu.

Dem Ertrag von rund 4,6 Millionen stehen also Aufwendungen von rund 6,6 Millionen Euro gegenüber.
Das ergibt ein Minus von 2.051.480,16 Euro, die die Stadt Hilden für den Offenen Ganztag in Hilden aufbringen muss.
Was passiert, wenn die Stadt/die Schule keinen Platz zur Verfügung stellen kann?
Dieses Problem stellt sich derzeit noch nicht, teilt uns die Stadt mit, aber: „Sollte es perspektivisch zu Engpässen kommen, werden den Eltern in enger Abstimmung mit den Schulleitungen alternative Betreuungsangebote gemacht.“
Hilden scheint also personell und räumlich ganz gut aufgestellt zu sein. Doch die Kosten stellen schonen einen erheblichen Posten im Haushalte dar. Daher teilt die Stadt Hilden auch die Stellungnahme des Städte- und Gemeindebundes (DStGB), der eine „verlässliche Rahmenbedingungen sowie eine dauerhaft gesicherte finanzielle Unterstützung durch Bund und Länder“ fordert.
Bericht: KA
Fotos/Collage: Archiv anzeiger24.de
Weitere Nachrichten aus Hilden gibt es unter www.anzeiger24.de/hilden/news/
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