Schandfleck Europaplatz: CDU reagiert auf Kommentar

Ratsherr Michael Wegmann teilt Kritik, weist aber Vorwürfe zurück

Unser Kommentar „Hildens Europaplatz – ein Platz der Schande“ hat in unserer Social Media-Community für Aufmerksamkeit gesorgt. Viele Hildenerinnen und Hildener wussten noch nicht einmal, dass wir überhaupt einen Europaplatz in Hilden haben. Und dass der Standort nun ungepflegt und zugemüllt vor sich hindümpelt, wurde auch regelrecht zerpflückt.

Nun hat sich CDU-Ratsherr Michael Wegmann, der sich einst mit seiner Fraktion für die Einrichtung des Europlatzes engagiert hatte, bei der Redaktion gemeldet. Auch er empfindet den aktuellen Zustand als bedauerlich, möchte aber Vorwürfe zurückweisen.

 

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„Keine Steuergeld-Verschwendung“

Hier ein paar wesentliche Auszüge aus seinem Leserbrief:

„Die Kritik am derzeitigen Pflegezustand ist nachvollziehbar. Wenn Blumenkübel verschmutzt sind, Graffiti nicht entfernt werden und die Anlage ungepflegt wirkt, sollte die Stadt selbstverständlich handeln. Darüber besteht wohl Einigkeit.“

Die CDU wolle daher „die Stadtverwaltung zeitnah auffordern, die notwendigen Maßnahmen zur Pflege und Instandsetzung zu veranlassen.“

 

Nicht einverstanden ist Wegmann mit der Kritik, hier seien „Steuergelder verschwendet“ worden: „Die Stadtverwaltung hatte seinerzeit den Auftrag, den Europaplatz möglichst kostengünstig umzusetzen, da die Haushaltslage auch bereits vor drei Jahren schon schwierig war. Dennoch ist es dem Bürgermeisterbüro gelungen, das Projekt kurzfristig zu realisieren. (…) Für eine dauerhaft gestaltete öffentliche Fläche mit Pflanzkübeln, Sitzgelegenheit, Fahnenmast und Beschilderung handelt es sich keineswegs um eine außergewöhnliche Investition. Die entscheidende Frage ist vielmehr, warum die Anlage anschließend nicht dauerhaft gepflegt wurde.“

Anm.d.Red.: Diese Frage haben sich die Beteiligten bereits vor rund zehn Monaten gestellt, als wir das erste Mal über den Zustand berichtet hatten. Was ist seitdem passiert, bzw. Warum ist seitdem scheinbar nichts passiert? Dazu haken wir noch einmal nach…

 

Standortwahl „sorgfältig abgewägt“

Auch zu den Bedenken zum Standort nimmt Wegmann Stellung: Man wollte „einen Ort schaffen, der die Werte der Europäischen Union sichtbar repräsentiert“. Ursprünglich sollte dafür ein Standort im Stadtzentrum ausgewählt werden. Der Christdemokrat hätte sich dabei zum Beispiel den Axlerhof als „attraktive Europa-Allee“ gewünscht. Das hätte jedoch bedeutet, dass die Adresse und damit die Ausweisdokumente und zahlreiche weitere Unterlagen der Anwohnerinnen und Anwohnern hätten geändert werden müssen. „Angesichts der damaligen wirtschaftlichen Situation mit hoher Inflation und den Folgen der Corona-Pandemie wollten wir als CDU-Fraktion Hilden den Bürgerinnen und Bürgern diese zusätzliche finanzielle und organisatorische Belastung aber bewusst nicht zumuten und haben daher darauf verzichtet, dies vorzuschlagen“, so Wegmann.

Anm.d.Red.: Das hätte wahrscheinlich ohnehin eine Beschwerde-Welle der Betroffenen bewirkt.

 

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Eine weitere Alternative wäre der Bahnhofsvorplatz gewesen.

Am Ende aber habe sich die Ratsmehrheit für die Wiese am Helmholtz-Gymnasium entschieden: „[Der] Standort wurde (…) mit der Vision eines Europaplatzes inmitten unseres Bildungscampus Holterhöfchen als die im damaligen Rahmen sinnvollste Lösung angesehen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Standortentscheidung keineswegs zufällig oder aus mangelnder Wertschätzung für Europa getroffen wurde, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen Abwägung verschiedener Interessen mit klarer Vision war“, sagt Wegmann.

 

„Keine pauschale Abwertung“

Für ihn steht daher fest: „Ohne diese Hintergründe zu berücksichtigen, das gesamte Projekt als ‚Blamage‘ oder gar als ‚Platz der Schande‘ zu bezeichnen, wird daher weder der ursprünglichen Idee noch dem demokratischen Beschluss des Rates gerecht. Der Europaplatz verdient Kritik, wenn er vernachlässigt wird. Er verdient aber keine pauschale Abwertung. Statt das Projekt insgesamt infrage zu stellen, sollte die Stadt (gesamte Stadtgesellschaft) dafür sorgen, dass dieser Ort wieder den Zustand erhält, den er bei seiner Erstellung hatte. Dann kann er auch künftig das sein, was er von Anfang an sein sollte: ein sichtbares Bekenntnis zu Europa, Demokratie und Frieden in unmittelbarer Entfernung zu den nächsten Generationen am Bildungscampus.“

 

Die Redaktion möchte abschließend daran erinnern, dass es sich bei dem Beitrag um einen „Kommentar“, also eine persönliche Meinung des Autoren handelte.

Gegenmeinungen sind natürlich auch zulässig und willkommen.

 

Bericht: KA
Foto: anzeiger24.de

 

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