
***Leitartikel***
Vor drei Wochen haben wir die Frage gestellt: Wie lange kann sich Hilden diese Musikschule noch leisten? Grund dafür sind stetig steigende Kosten bei gleichzeitig angespannter Haushaltslage der Stadt. Um mehr Klarheit zu bekommen, haben wir bei der Stadt noch einmal nachgefragt. Die Antworten liefern nun ein differenziertes, aber an einigen Stellen leider auch unvollständiges Bild.
Kosten steigen deutlich – vor allem beim Personal
Die Zahlen zeigen klar: Die Musikschule wird für die Stadt immer teurer.
2020 lagen die Personalkosten noch bei rund 1,39 Millionen Euro. Für 2026 werden knapp 1,92 Millionen Euro veranschlagt. Das ist ein Anstieg um mehr als eine halbe Million Euro innerhalb weniger Jahre.
Ein wichtiger Grund dafür ist eine grundlegende Umstrukturierung im Jahr 2024, gegen die sich die Stadt nicht wehren konnte. Viele zuvor freiberuflich tätige Lehrkräfte mussten nämlich kurzfristig aufgrund rechtlicher Vorgaben festangestellt werden. Und das hat die Personalkosten spürbar nach oben getrieben.
Mehr Unterricht – und mehr Nachfrage?
Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Arbeitszeiten der Lehrkräfte angepasst. Eine Vollzeitkraft unterrichtet inzwischen rund 33,67 Stunden pro Woche (à 45 Minuten), hinzu kommen organisatorische Aufgaben.
Zwischen 2020 und 2025 stiegt die Zahl der Schüler von 2.207 auf 2417. In fünf Jahren also ein Anstieg von 35 Schülern pro Jahr. Nach Plan (der Stadt) sollen allein in diesem Jahr über 280 Schüler hinzukommen. Gründe für ein solch intensives Wachstum sind nicht bekannt.
Viele Antworten bleiben vage
Einige unserer Fragen wurden von der Stadt nur ungenau oder gar nicht beantwortet.
So gibt es keine Angaben zur Entwicklung des Defizits – also genau zu der Kennzahl, die entscheidend wäre, um die finanzielle Belastung wirklich beurteilen zu können.
Noch deutlicher wird das bei einer anderen Frage: Wir wollten wissen, wie viele Schüler weniger als sechs Monate Unterricht erhalten haben. Die Antwort der Stadt bleibt hier ausweichend. Statt konkreter Zahlen wird lediglich erklärt, dass Unterricht in der Regel (!) langfristig auf mindestens ein halbes Jahr angelegt sei. Das beantwortet jedoch die eigentliche Frage nicht.
Gerade dieser Punkt ist jedoch entscheidend: Eine kostenintensive Einrichtung wie die Musikschule sollte nicht beliebig genutzt werden können, nach dem Motto: ein Angebot einfach auszuprobieren und bei nachlassendem Interesse kurzfristig wieder auszusteigen. Hierfür sollte der normale Musikunterricht in der Schule da sein. Die reine Zahl der Schüler sagt daher wenig über die tatsächliche Qualität und Nachhaltigkeit der Nutzung der Musikschule aus.
Steigende Teilnehmerzahlen könnten ja auch darauf zurückzuführen sein, dass Angebote eher unverbindlich wahrgenommen werden.
Angesichts hoher öffentlicher Zuschüsse wäre es deshalb wichtig zu wissen, wie viele Teilnehmer den Unterricht frühzeitig wieder abbrechen. Diese Zahl bleibt aber unbeantwortet.
Die Stadt liefert zwar einige aufschlussreiche Zahlen, vor allem zu steigenden Personalkosten und – hoffentlich – wachsender Nachfrage. Gleichzeitig bleiben aber auch wichtige Fragen offen oder werden nur unzureichend beantwortet.
Damit bleibt auch die ursprüngliche Frage bestehen: Wie lange kann sich Hilden diese Musikschule noch leisten?
Bericht: LT
Archivfoto: anzeiger24.de
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