
Seit Jahren kämpfen die anliegenden Kommunen und die Initiative „3reicht“ gegen einen achtspurigen Ausbau der A3 zwischen Hilden und Leverkusen. Sie befürchten noch mehr Umwelt- und Lärmbelastungen und fordern stattdessen, das Teilstück nur auf drei Spuren pro Fahrtrichtung auszuweiten und in Stoßzeiten einen Temporären Seitenstreifen (TSF) freizugeben. Das lehnen das Bundesverkehrsministerium und die Autobahn GmbH aber ab und haben vor wenigen Wochen nun den Wunsch komplett ausgeschlagen. Damals war Patrick Schnieder noch im Amt.
Das wollen die Stadtvertretungen, aber auch die IHK in Düsseldorf nicht einfach so hinnehmen und haben gemeinsam ein Schreiben an den neuen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger aufgesetzt, wie die Stadt Hilden jetzt mitteilt.
Offenbar haben sie die Hoffnung, dass er unter Umständen anders als seine Vorgänger denkt?
Mehrere Anläufe
Zur Historie: 2019 hatten die damaligen Bürgermeister von Hilden (Birgit Alkenings), Langenfeld (Frank Schneider), Solingen (Tim Kurzbach) und Leichlingen (Frank Steffes) einen gemeinsamen Appell formuliert.
Der Hildener Stadtrat hatte sogar 2019 per Resolution mehrheitlich (gegen die Stimmen der CDU) den Ausbau der A3 auf acht Spuren abgelehnt.
Nach einem Treffen mit Regierungspräsident Thomas Schürmann am 30. März 2023 in Ratingen bekräftigten die Stadtoberhäupter ihre Forderungen.
Dennoch konnten sie die Entscheidungsträger nicht überzeugen. Nach der jüngsten Absage gibt es nun also den neuen Anlauf.
Die beteiligten Kommunen und IHK „hinterfragen mehrere Argumente der Autobahn GmbH und damit auch des Bundesverkehrsministeriums, benennen fachliche Unstimmigkeiten und fordern transparente Antworten“, heißt es in einer Presseerklärung. Der frisch ernannte Minister möge die Entscheidung noch einmal „grundlegend überprüfen und das zugrunde liegende Regelwerk angesichts technischer Entwicklungen, neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, der schnelleren und kostengünstigeren Umsetzung im Vergleich zum Vollausbau sowie des gebotenen schonenden Umgangs mit Fläche neu bewerten“, erläutert das Hildener Rathaus: „Unter bestimmten Voraussetzungen kann die TSF eine gleichwertige Alternative darstellen.“
Bürgermeister Pommer und IHK halten freien Seitenstreifen für „sinnvollste Lösung“
Der Hildener Bürgermeister Claus Pommer ergänzt: „Eine leistungsfähige A3 ist für Hilden und die ganze Region wichtig – für unsere Unternehmen, für Pendlerinnen und Pendler und für alle Menschen, die täglich unterwegs sind. Gleichzeitig wollen wir unsere Freiflächen, unsere Natur und die Lebensqualität in unserer Stadt erhalten. Die temporäre Seitenstreifenfreigabe ist aus meiner Sicht eine gute Lösung: Sie schafft schnell zusätzliche Kapazitäten, nutzt vorhandene Flächen besser und vermeidet neue Versiegelungen.“
Auch die IHK Düsseldorf hält die TSF mit den erforderlichen baulichen und technischen Anpassungen „weiterhin für die sinnvollste und schnell umsetzbare Lösung, um die Leistungsfähigkeit dieser zentralen Verkehrsachse zu erhöhen und zugleich den Flächenverbrauch gering zu halten“, so ein Pressestatement des Hauptgeschäftsführers Gregor Berghausen. Das Konzept habe sich bereits „erfolgreich auf dem Abschnitt zwischen Hilden und Ratingen Ost“ bewährt.
„Wir bitten den Bundesverkehrsminister, auf einer der wichtigsten Autobahnen in Deutschland die notwendigen Schritte zur Umsetzung dieser sinnvollen und in der Region mehrheitsfähigen Maßnahme einzuleiten“, so Gregor Berghausenweiter. „Nur so kann die Belastungssituation für tausende Pendlerinnen und Pendler sowie den Wirtschaftsverkehr effektiv vermindert und die Funktionsfähigkeit der A3 langfristig gesichert werden.“
Weitere Erläuterungen gibt es in dem Positionspapier.
Autobahn GmbH: „Seitenstreifen erfüllt wichtige Schutzfunktion“
Die Autobahn GmbH argumentierte in einer früheren Stellungnahme, ein Seitenstreifen erfülle eine wichtige Schutzfunktion, daher müsse bei einem Wegfall ein Ausgleich geschaffen werden. So wären entlang der Strecke insgesamt 27 Nothaltebuchten mit einer Länge von jeweils über 160 Metern erforderlich. Insgesamt müssten ca. 19.000 Quadratmeter Fläche für die Nothaltebuchten zusätzlich versiegelt werden. Zudem müsste eine Vielzahl an Notrufsäulen sowie deren Zuwegung geschaffen werden. Des Weiteren wäre eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 100 km/h für den gesamten Abschnitt zur Sicherheit der Verkehrsteilnehmer ebenfalls unerlässlich. Zudem wäre eine dauerhafte Videoüberwachung an vier weiteren Standorten sicherzustellen.
Jetzt bleibt also abzuwarten, ob der neue Verkehrsminister diese Einschätzung teilt oder sich doch noch umstimmen lässt…
Bericht: KA
Titelfoto: Archiv anzeiger24.de
Portraitfotos: T. Koch / Stadt Hilden / IHK Düsseldorf/M. Valk
Weitere Nachrichten aus Hilden gibt es unter www.anzeiger24.de/hilden/news/
Du hast einen Tipp, eine Anregung, zu welchem Thema wir einmal recherchieren sollten?
Schreib uns an presse@deinhilden.de. Deine Zuschrift wird streng vertraulich behandelt!
Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an
oder als Kommentar bei Facebook.
Euch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.


