
***Leitartikel***
Die Digitalisierung der Stadtverwaltung gehört seit Jahren zu den großen Zukunftsprojekten im Hildener Rathaus. Erst kürzlich hat die CDU Hilden die bisherigen Fortschritte ausdrücklich gelobt. Auch die Stadtverwaltung verweist regelmäßig auf zahlreiche neue Online-Angebote und betont, dass Hilden bei der Digitalisierung gut vorankomme.
Doch wie weit ist die Stadt tatsächlich? anzeiger24.de hat der Verwaltung fünf konkrete Fragen gestellt. Die Antworten liegen nun vor.
Viele Ziele – aber kaum konkrete Zeitpläne
Wer auf einen klaren Fahrplan gehofft hatte, wird allerdings enttäuscht. Auf die Frage nach einem Masterplan für die kommenden fünf Jahre erklärt die Stadt, bewusst auf einen starren Zeitplan zu verzichten.
Digitalisierung entwickele sich so schnell, dass Projekte regelmäßig neu priorisiert würden. Ziel sei es, Bürgerservices auszubauen, Verwaltungsabläufe zu beschleunigen, Mitarbeitende zu entlasten und die IT-Sicherheit zu stärken.
Konkrete Projekte mit verbindlichen Fertigstellungsterminen nennt die Verwaltung dagegen nicht. Stattdessen verweist sie auf allgemeine strategische Ziele und einen Sachstandsbericht des Rates.
Gerade hier bleibt aus Sicht unserer Redaktion eine wesentliche Frage offen: Welche digitalen Leistungen sollen bis wann umgesetzt werden? Eine nachvollziehbare Roadmap, an der sich Bürgerinnen und Bürger orientieren können, ist den Antworten nicht zu entnehmen.
Online-Angebote wachsen
Unstrittig ist: Die Stadt hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Online-Dienste eingeführt. Dazu gehören unter anderem:
- elektronische Wohnsitzanmeldung
- Online-Führungszeugnis
- Auskunft aus dem Gewerbezentralregister
- digitales Gewerbeportal
- digitales Fundbüro
- Online-Beantragung der Ehrenamtskarte
In Kürze sollen außerdem die digitale Geburtsanmeldung und der digitale Fischereischein folgen.
Bereits der aktuelle Sachstandsbericht der Verwaltung zeigt zudem, dass inzwischen rund 60 bis 70 Online-Formulare angeboten werden und die Zahl digital eingereichter Anträge deutlich gestiegen ist. Besonders häufig werden Sperrmüllanmeldungen, Urkundenbestellungen und Anmeldungen bei der Musikschule online erledigt.
Online heißt aber noch nicht vollständig digital
Der eigentliche Maßstab moderner Verwaltung ist allerdings nicht allein die Zahl der Online-Formulare.
Entscheidend ist, ob ein Antrag anschließend ohne Medienbrüche vollständig digital weiterbearbeitet wird. Genau dazu enthalten die Antworten der Stadt kaum konkrete Informationen.
Zwar ist mehrfach von Automatisierung, Prozessoptimierung und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) die Rede. Welche Verfahren bereits automatisiert arbeiten, welche KI-Anwendungen tatsächlich eingesetzt werden oder welche internen Abläufe bereits vollständig digital sind, bleibt jedoch offen.
Zusammenarbeit mit anderen Kommunen
Positiv fällt auf, dass Hilden nach eigenen Angaben eng mit anderen Kommunen – insbesondere im Kreis Mettmann – zusammenarbeitet. Die Verwaltung berichtet von einem regelmäßigen Austausch über Online-Anträge, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Außerdem nutze Hilden sogenannte EfA-Lösungen („Einer für Alle“), die bundesweit entwickelt und von vielen Kommunen übernommen werden können.
Auch bei IT-Fragen werde regelmäßig geprüft, ob gemeinsame Lösungen mit kommunalen Rechenzentren oder anderen Städten wirtschaftlicher seien. Einen generellen Zusammenschluss lehnt die Stadt jedoch ab und entscheidet nach eigener Aussage jeweils im Einzelfall.
Personalabbau? Eher Veränderungen
Auch bei den Auswirkungen auf den Personalbedarf bleibt die Verwaltung vorsichtig.
Digitale Prozesse könnten künftig dazu führen, dass einzelne Stellen nach dem Ausscheiden von Beschäftigten nicht wiederbesetzt werden. Gleichzeitig entstünden neue Aufgaben in den Bereichen Digitalisierung, Prozessmanagement und IT. Einen konkreten Personalabbau kündigt die Stadt ausdrücklich nicht an.
Wie steht Hilden im Vergleich?
Vergleicht man Hilden mit vielen anderen Kommunen in Deutschland, ergibt sich ein gemischtes Bild.
Positiv sind das Serviceportal, zahlreiche Online-Anträge, die elektronische Wohnsitzanmeldung sowie erste Automatisierungsprojekte. Damit erfüllt Hilden viele Anforderungen des Onlinezugangsgesetzes (OZG).
Andere Kommunen gehen allerdings inzwischen deutlich weiter. Dort gehören beispielsweise KI-gestützte Chatbots, vollständig digitale Antragsbearbeitung ohne Papierakte, Bürgerkonten mit persönlichem Postfach, digitale Bezahlfunktionen, automatisierte Statusinformationen oder intelligente Dokumentenverarbeitung bereits zum Alltag.
Bundesweit zeigt sich außerdem, dass viele Kommunen verstärkt auf elektronische Aktenführung, KI-Unterstützung und durchgängig digitale Verwaltungsprozesse setzen.
Ob und wann Hilden diese Ausbaustufen erreicht, lässt sich den Antworten der Verwaltung derzeit nicht entnehmen.
Unser Eindruck
Die Stadt macht keinen Hehl daraus, dass Digitalisierung für sie ein wichtiges Zukunftsthema ist. Dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Online-Angebote entstanden sind, ist unbestritten.
Auffällig ist jedoch die Art der Beantwortung unserer Fragen. Viele Antworten bleiben sehr allgemein formuliert und bewegen sich häufig im klassischen Verwaltungssprech. Statt konkreter Aussagen finden sich vielfach Zielbeschreibungen und Formulierungen wie „wird geprüft“, „im Einzelfall“, „strategische Richtung“ oder „größtmöglicher Nutzen“. Auf zentrale Fragen nach Zeitplänen, Prioritäten oder messbaren Zielen erhalten Bürgerinnen und Bürger damit nur eingeschränkt belastbare Informationen.
Die Digitalisierung der Stadt Hilden ist zweifellos vorangekommen. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass viele der eigentlichen Modernisierungsschritte, insbesondere bei vollständig digitalen Verwaltungsabläufen und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, noch vor der Verwaltung liegen.
Wie ist Eure Meinung?
Nutzt Ihr bereits die digitalen Angebote der Stadt Hilden? Welche Behördengänge funktionieren heute schon gut – und wo wünscht Ihr Euch deutlich mehr Digitalisierung?
Bericht: LT
Quelle: Stadt Hilden
Weitere Nachrichten aus Hilden gibt es unter www.anzeiger24.de/hilden/news/
Du hast einen Tipp, eine Anregung, zu welchem Thema wir einmal recherchieren sollten?
Schreib uns an presse@deinhilden.de. Deine Zuschrift wird streng vertraulich behandelt!
Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an
oder als Kommentar bei Facebook.
Euch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.



