
Welche „Angsträume“ gibt es in Hilden? Je nachdem, wen man fragt, bekommt man auch unterschiedliche Antworten. Für die CDU-Ratsfraktion aber steht fest: „Das subjektive Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum wird maßgeblich durch die Gestaltung und Wahrnehmbarkeit der Umgebung beeinflusst. Dunkle Wege, unzureichend beleuchtete Unterführungen, unübersichtliche Bereiche oder stark bewachsene Grünflächen können dazu führen, dass sich Menschen an bestimmten Orten unsicher fühlen.“
Daher haben die Christdemokraten nun im Hauptausschuss am 24. Juni 2026 einen Prüfauftrag beantragt: Die Stadtverwaltung soll „Orte im Stadtgebiet identifizieren, an denen das Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum beeinträchtigt sein kann“. Und das aufgrund von Erkenntnissen des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) und Hinweisen aus der Bevölkerung.
Wenn diese Liste erstellt ist, sollen „geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation“ getroffen werden, etwa bei Beleuchtung, Sichtbeziehungen oder der Präsenz des KOD.
Das Anliegen teilten nicht alle Gremiums-Mitglieder. Für eine knappe Mehrheit hat es aber gereicht: neun Ratsvertreter von CDU, Grünen und AfD stimmten für den Antrag, sieben von SPD, FDP sowie Bürgeraktion/Piraten dagegen.
Auch die Verwaltung ist nicht ganz überzeugt von der Idee, muss sie aber nun umsetzen.
Verwaltung sieht keine Hot Spots der Kriminalität
Die Intention wird „ausdrücklich geteilt und begrüßt“, heißt es in der Stellungnahme. Eine „Benennung von zu veranlassenden Maßnahmen“ wird jedoch nicht empfohlen.
Warum? Das „subjektive, bzw. individuelle Sicherheitsempfinden“ stimme „nicht immer mit der tatsächlichen Bewertung der Sicherheitslage, u.a. mit der Kriminalstatistik, überein“, erklärt die Rathaus-Spitze.
Es gäbe bereits Maßnahmen, etwa gemeinsame Aktionen von Polizei und Ordnungsamt. So konnte beispielsweise die gefährliche Situation An der Gabelung gelöst werden.
Ansonsten sieht die Verwaltung „aktuell im Stadtgebiet Hilden keine etablierten Hot Spots der Kriminalität“, keine „gefährlichen Orte nach dem Polizeigesetz“ und „keine besonderen Gefährdungsschwerpunkte im öffentlichen Raum“.
Das individuelle und unterschiedliche Empfinden von Menschen sei „keine verlässliche Größe, um eine öffentliche Priorisierung oder gar Kartierung vorzunehmen, die dann auch dauerhaft zu aktualisieren wäre“, heißt es weiter. Auch würden sich Wahrnehmungen beispielsweise durch die Jahreszeiten, die Dauer des Tageslichts oder je nach Wetter ändern.
Bürgerinnen und Bürger könnten dennoch Auffälligkeiten, „Anliegen, Beschwerden oder Anregungen bei den Fachdienststellen einreichen.
Und: die Präsenz, bzw. der „Sichtbarkeitsanteil“ des KOD sei im vergangenen Jahr um ca. 450 Stunden (+ ca. 19%, ohne Stellenaufwuchs) gestiegen.
Daher meint die Verwaltung: „Dem Antragsziel wird somit jetzt schon Rechnung getragen“.
Nightwalks für Frauen sollen Selbstschutz und Selbstbehauptung mit Sicherheit stärken
Bei der Gelegenheit berichtet die Verwaltung ergänzend, dass die städtische Gleichstellungsbeauftragte so genannte „Nightwalks“ für Frauen anbieten möchte.
Dabei sollen konkrete Orte im Stadtgebiet aufgesucht, Wahrnehmungen direkt vor Ort angesprochen und gezielt über Maßnahmen wie z.B. bessere Ausleuchtung von Unterführungen gesprochen werden. „Gleichzeitig würden diese ‚Walks‘ aber auch die eigene Resilienz der Teilnehmenden in Bezug auf das Thema Selbstschutz und Selbstbehauptung mit Sicherheit stärken“, so das Statement. „Gemeinsames Ziel sollte es sein, mit Augenmaß und Klarheit vorzugehen, dort zu handeln, wo Handlungsbedarf besteht und gleichzeitig das insgesamt hohe objektive Sicherheitsniveau in Hilden sichtbar zu bewahren und auch offen zu kommunizieren.“
Wann diese „Nightwalks“ stattfinden sollen, steht aber noch nicht fest. Wenn es soweit ist, werde die Öffentlichkeit informiert.
Bericht: KA
Foto/Montage: anzeiger24.de / KI generiert
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