
Viele Familien kennen das: Die Kinder sind lange ausgezogen, und mit zunehmendem Alter wird das Haus oder die Wohnung zu groß für die Eltern oder Großeltern – erst recht, wenn ein Partner obendrein verstirbt. Doch die Suche nach einem kleineren Domizil ist oft beschwerlich und stressig. Über dieses Problem hat sich die Ratsfraktion der Bürgeraktion (BA) Gedanken gemacht und in der Ratssitzung im Dezember 2025 einen Prüfungsauftrag beantragt, der auch mehrheitlich angenommen wurde – ohne die Stimmen der AfD.
Demnach soll die Stadtverwaltung nun überlegen, „in welcher Form Umzüge sowohl von Mieterinnen und Mietern als auch von Eigentümern aus Wohnungen, die altersbedingt nicht mehr vollständig genutzt werden, unterstützt werden können“, heißt es im Antragstext. „Die Unterstützung [bzw. ein ‚städtischer Service‘, wie es an anderer Stelle heißt, Anm.d.Red.] soll sich an umzugswillige Hildener Bürgerinnen und Bürger richten, die aufgrund fortgeschrittenen Alters und aufgrund ihrer familiären Situation (z. B. alleinstehend) nicht in der Lage sind, eigenständig zu groß gewordenen, teilweise ungenutzten Wohnraum gegen altersgerechte Wohnverhältnisse zu tauschen. In diesem Zusammenhang sollte auch die Einrichtung einer Wohnungstauschbörse in Betracht gezogen werden.“
Verwaltung sieht kein „Tauschpotential“
Die Verwaltung selbst, die nun diesen Prüfauftrag umsetzen soll, zeigt sich in ihrer Stellungnahme jedoch eher skeptisch zu einem solchen Modell.
Dafür gibt es mehrere Gründe, zum Beispiel: „Der ‚Tausch‘ einer Mietwohnung, ist immer eine Neuanmietung. In der Regel wird bei Neuanmietung der Mietzins erhöht. Kleinere Wohnung haben zudem oftmals im Verhältnis zur größeren Wohnung einen höheren Mietzins. In der Praxis wird demnach durch Umzug in die kleinere Wohnung oftmals weniger gespart als vermutet und dadurch weiterhin die größere Wohnung bevorzugt.“
Das Rathaus verweist außerdem an die städtische Wohn- und Pflegeberatung, die „älteren oder behinderten Menschen [hilft], so lange wie möglich selbstständig in den eigenen vier Wänden zu leben. Sie bietet Beratung zur Anpassung der Wohnung (z. B. durch Haltegriffe oder das Entfernen von Stolperfallen), zu technischen Hilfsmitteln (wie Treppenliften), zu Finanzierungsmöglichkeiten und informiert über verschiedene Wohn- und Pflegeformen.“
Zu guter Letzt führt die Hildener Stadtverwaltung ein Beispiel aus Langenfeld an. Dort wurde eine Infoveranstaltung für eine „Wohnungstauschbörse“ durchgeführt. Fazit: „Es gab recht viele Voranmeldungen, zum Termin sind ca. 30 Interessierte erschienen.“ Schlussendlich habe sich aber nur eine Person registriert.
Daraus folgert die Verwaltung: „Das ‚Tauschpotential‘ wird nicht sehr hoch eingeschätzt. Auf dem Wohnungsmarkt agieren Makler, die als Bindeglied zwischen Eigentümer/n und Mieter/n fungieren. Wohnungsportale unterstützen bereits ‚Tauschobjekte‘. Eine Wohnungstauschbörse wird wahrscheinlich eher eine ‚Maklerfunktion‘ einnehmen, indem Häuser/Eigentumswohnungen zum Verkauf angeboten werden, ohne dass es am Ende zu einem Tausch kommt. Ein dauerhaftes großes Potential wird eher nicht vermutet. (…) Eine Wohnungstauschbörse ist zudem mit Personaleinsatz (Vorbereitung, Werbung, Durchführung, Nachbereitung) verbunden.“
Jedoch schlägt die Verwaltung eine Infoveranstaltung zum „Leben im Alter“ vor, in dem das Thema ebenfalls behandelt werden soll.
Trotz der Bedenken: Der Stadtrat hat entschieden, die Verwaltung muss also nun mögliche Lösungen für ein Konzept erarbeiten. Was dabei herauskommt, wird man später sehen.
Bericht: KA
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