Jahr für Jahr fließen Tausende Euro in Wechselbeete – obwohl die Stadt selbst bereits auf Dauerlösungen setzt

Alle 6 Monate dasselbe Spiel: Hilden pflanzt und reißt wieder raus

Hilden schmückt sich regelmäßig mit ihren farbenfrohen Blumenbeeten. Wenn im Frühjahr und Herbst tausende neue Blumen gepflanzt werden, folgen Pressemitteilungen, Fotos und Lob für die Arbeit des Bauhofs. Doch hinter den bunten Beeten stellt sich eine unbequeme Frage: Ist dieses System im Jahr 2026 überhaupt noch zeitgemäß oder handelt es sich um eine teure Tradition, die weder ökologisch noch wirtschaftlich überzeugt?

Seit mehr als 25 Jahren das gleiche Prinzip

Nach Angaben der Stadt wird die saisonale Wechselbepflanzung seit über 25 Jahren durchgeführt. Zweimal pro Jahr werden die vorhandenen Pflanzen entfernt, die Beete vollständig bearbeitet und anschließend neu bepflanzt. Während sich in vielen Bereichen der Stadtentwicklung Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Ressourcenschonung zunehmend durchsetzen, scheint bei den Blumenbeeten noch immer ein Konzept aus der Jahrtausendwende zu gelten.

Jahr für Jahr fließen Tausende Euro

Die Zahlen, die die Stadt auf unsere Anfrage mitgeteilt hat, zeigen, dass die Blumen keineswegs zum Nulltarif wachsen. Allein für Pflanzen und Substrat wurden in den vergangenen vier Jahren durchschnittlich rund 12.760 Euro pro Jahr ausgegeben. Im Jahr 2026 liegen die Kosten bei rund 12.831 Euro. Und hinzu kommen die Personalkosten. Allein für die aktuelle Sommerbepflanzung waren laut Stadt rund 180 Arbeitsstunden erforderlich. Damit dürften die Gesamtkosten deutlich über 20.000 Euro p.a. liegen!

In Zeiten knapper kommunaler Kassen stellt sich die Frage, ob dies wirklich die sinnvollste Verwendung öffentlicher Mittel ist?

Beet-am-Pinguinbrunnen-Stadt-Hilden

Die Begründung der Stadt wirft Fragen auf

Bemerkenswert ist die Argumentation der Verwaltung. Die Stadt behauptet nicht, dass die Wechselbepflanzung günstiger sei. Sie behauptet auch nicht, dass sie ökologisch vorteilhafter sei. Sie  verweist stattdessen darauf, dass sich der Arbeitseinsatz besser planen lasse und dass durch die regelmäßige Bodenbearbeitung das Unkraut leichter kontrolliert werden könne.

Mit anderen Worten: Die Beete werden nicht deshalb zweimal jährlich neu bepflanzt, weil dies nachweislich die beste Lösung für Umwelt oder Stadtkasse wäre. Vielmehr scheint das System vor allem den organisatorischen Abläufen des Bauhofs entgegenzukommen.

Edeka-Kuhland-Hilden-Banner


Die Stadt kennt die Alternative längst

Besonders erstaunlich: An anderer Stelle verfolgt die Stadt inzwischen selbst einen völlig anderen Ansatz. Am Kronengarten wurde im letzten Jahr ein Beet mit mehrjährigen Stauden angelegt. Dafür wurde eigens ein spezieller wasserspeichernder Boden eingebaut. Das Ziel beschreibt die Stadt so: weniger Bewässerung, geringerer Pflegeaufwand und eine langfristige Lösung.

Die Kosten für die dort eingesetzten Pflanzen lagen bei lediglich rund 1.000 Euro. Die jährlichen Pflegekosten werden ebenfalls auf etwa 1.000 Euro geschätzt.

Damit liefert die Stadt selbst das stärkste Argument gegen ihr eigenes System der Wechselbepflanzung. Denn wenn mehrjährige Stauden langfristig funktionieren, weniger Wasser benötigen und den Pflegeaufwand reduzieren, stellt sich zwangsläufig die Frage, warum diese Form der Bepflanzung nicht deutlich stärker ausgeweitet wird.

Ökologisch wirkt das Konzept aus der Zeit gefallen

Die ökologische Bilanz der Wechselbepflanzung wirft weitere Fragen auf. Jedes Jahr müssen tausende Pflanzen produziert, transportiert, eingepflanzt, bewässert und wenige Monate später wieder entfernt werden. Gleichzeitig werden die Böden regelmäßig umgegraben und neu vorbereitet.

Während viele Städte inzwischen auf klimaresistente Staudenflächen, naturnahe Begrünung und dauerhafte Pflanzkonzepte setzen, investiert Hilden weiterhin erhebliche Mittel in kurzlebige Zierpflanzungen. Natürlich sehen die Blumenbeete schön aus. Doch Schönheit allein ersetzt keine ökologische Bilanz.

Wer Bürger regelmäßig zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen aufruft, sollte sich auch die Frage gefallen lassen, ob das eigene Handeln diesem Anspruch gerecht wird.

Viel PR – wenig Diskussion über die Kosten

Auffällig ist zudem, wie die Pflanzaktionen kommuniziert werden. In ihren halbjährlichen Pressemitteilungen lobt sich die Stadt selbst mit Verweis darauf, dass wieder einmal Tausende von Blumen gepflanzt worden seien, die nach Aussage des verantwortlichen Beigeordneten Peter Stuhlträger die Lebensqualität in Hilden verbessern.

Über die jährlichen Kosten, den Arbeitsaufwand oder mögliche ökologische Nachteile erfährt die Öffentlichkeit in diesen Mitteilungen hingegen nichts!

Zwischen Tradition und Symbolpolitik

Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass die Blumenbeete attraktiv aussehen und das Stadtbild aufwerten. Die entscheidende Fragen lauten jedoch, ob dieser Effekt den dauerhaften Einsatz von Steuergeldern, Arbeitszeit und Ressourcen rechtfertigt und warum Hilden trotzdem an einem System festhält, das Jahr für Jahr Geld kostet, Ressourcen verbraucht und am Ende möglicherweise nur eines produziert: schöne Bilder für die nächste Pressemitteilung?

 

Quelle: Stadt Hilden

Bericht: LT

Fotos/Video: anzeiger24.de

Weitere Nachrichten aus Hilden gibt es unter www.anzeiger24.de/hilden/news/

 


Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an presse@anzeiger24.de

oder als Kommentar bei FacebookEuch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.


Du hast einen Tipp, eine Anregung, zu welchem Thema wir einmal recherchieren sollten?

Schreib uns an presse@deinhilden.de.
Deine Zuschrift wird streng vertraulich behandelt!