
Es wurde schon länger spekuliert und befürchtet. Nun ist es traurige Gewissheit: Die Vion Food Group hat ihre Belegschaft in Hilden sowie den Betriebsrat am Donnerstag, 8. Januar 2026, über die „geplante dauerhafte Schließung“ des Rinder-Zerlegebetriebs am Westring informiert. „Vorbehaltlich des laufenden Konsultationsverfahrens soll der Betrieb spätestens zum 28. Februar 2026 eingestellt werden, gegebenenfalls auch früher“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Von der geplanten Standort-Aufgabe sind rund 160 Mitarbeitende betroffen. Die Geschäftsführung will nun „Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan aufnehmen und zugleich Beschäftigungsalternativen innerhalb des Konzerns prüfen“.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erwartet nun von Vion„einen verantwortungsvollen Umgang mit den Sorgen und Nöten der Betroffenen und Verhandlungen auf Augenhöhe“, sagt Thomas Benrhard von der Hauptverwaltung / Referat Fleisch in Hamburg auf Nachfrage.
„Entscheidung war absehbar“
Als Begründung werden „anhaltende strukturelle Veränderungen im Markt, die eine weitere Konsolidierung erforderlich machen“, angegeben. Konkretere Angaben macht das Lebensmittelunternehmen aus den Niederlanden auch auf Nachfrage nicht.
Dafür berichtet Thomas Bernhard von der NGG: „Der Rinder-Zerlegestandort Hilden war für den Vion-Konzern in Deutschland ein regional wichtiger Anlaufpunkt. Versorgt wurde der Standort mit Rohstoffen (Rinderviertel) aus mehreren Vion-Rinderschlachthöfen. Leider wurden diese Zulieferbetriebe im Laufe des Restruktuierungsprozesses entweder geschlossen oder verkauft. Verkauft wurde z.B. der Schlachthof in Altenburg an den Mitbewerber Tönnies. Der hat allerdings eigene Zerlegekapazitäten. Im Zuge des Wegfalls der Zulieferbetriebe musste sich Vion Hilden mehr und mehr an den Rohstoffmärkten versorgen. Im Jahr 2015 stieg der Preis für Rinder aus diversen Gründen, was die Rentabilität offenbar in Mitleidenschaft gezogen hat.“
Im vergangenen Jahr gab es allerdings mehrere Anläufe für eine Übernahme von anderen Konzernen, etwa von Westfleisch oder Tönnies, bzw. der „Premium Food Group“. Jedoch ohne Ergebnis. Den geplanten Deal mit der „Premium Food Group“ hatte das Bundeskartellamt untersagt.
Daher war die Entscheidung zur Schließung „absehbar“, meint Gewerkschafter Thomas Bernhard, allerdings nicht der Zeitpunkt: „Die Schließung des Standorts Hilden ohne den Abschluss des Verkaufs der verbleibenden Vion-Betriebe kennzeichnet eine vom Tagesgeschäft getriebene Unternehmenspolitik, die keine Rücksicht auf mögliche mittelfristige Entwicklungen nimmt.“
Dabei sei der Standort „ideal, um in dem wichtigen Kundenmarkt in NRW vertreten zu sein“, findet Benrhard. „Ein Betreiber muss diese Regionalität allerdings auch stärken. (…) Gestärkt wird [allerdings] seit Jahren die Zentralversorgung. (…) Die dabei entstehenden negativen Auswirkungen werden von den Verantwortlichen dabei bewusst in Kauf genommen.“
Ist der Standort erst einmal geschlossen, werde ihn ein möglicher Käufer nicht wieder eröffnen, schätzt Bernhard.
„Neuer Veräußerungsprozess für die süddeutschen Betriebe“
Vion plant nun „einen neuen Veräußerungsprozess für die süddeutschen Betriebe„, teilt eine Unternehmenssprecherin in ihrer Antwort auf unsere Anfrage weiter mit: „Einige Interessenten haben sich bereits gemeldet, und wir werden alle ernst gemeinten Vorschläge sorgfältig prüfen. Ziel ist eine langfristig tragfähige Lösung – für das Unternehmen, unsere Teams und unsere Partner in der Region.“
Das sieht der Gewerkschafter Bernhard aber skeptisch: „[Solche] Angebote dürfen nicht zum Nachteil der Kolleg*innen ausgelegt werden, die aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht mal eben nach Waldkraiburg versetzen lassen können. Bisher lebt der Standort Hilden auch von langjährigen Betriebszugehörigkeiten, was in der Fleischwirtschaft eher ungewöhnlich ist.“
Für die Kunden und Lieferanten soll die Belieferung von anderen Vion-Standorten möglichst „nahtlos fortgeführt“ werden.
Über Vion
Vion stellt Fleischerzeugnisse und vegetarische Produkte für den industriellen Markt, den Einzelhandel und den Außer-Haus-Markt her und beliefert Kunden „in Deutschland und den Niederlanden, ebenso wie in anderen Ländern der Welt“. Am Standort Hilden wird Fleisch zerlegt und als Eigenmarke an deutsche Lebensmittelbetriebe und Cash und Carry-Märkte verkauft. Die Firma Vion übernahm in 2007 den Sitz der ehemaligen A. Moksel AG und Eyckeler & Malt AG.
Der Hauptsitz von Vion befindet sich im niederländischen Boxtel. Im Jahr 2024 erwirtschaftete das Unternehmen mit 8.383 Mitarbeitenden einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro.
Bericht: KA
Foto: anzeiger24.e
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