
***Leitartikel***
Bei diesem Thema erhitzen sich viele Gemüter wie ein Motor bei überhöhter Drehzahl: Nach und nach wird in diesen Tagen auf fast allen Straßen in Hilden ein Tempo 30-Limit eingeführt (es gibt allerdings Ausnahmen). Und im Ausschuss für technische Infrastruktur am 18. Juni 2026 wird diese Maßnahme sicherlich auch noch einmal für Diskussionsstoff sorgen.
Zwei Jahre Ampel-Analyse?
Die Stadt beruft sich auf den Lärmaktionsplan, der im Januar 2024 mit knapper Mehrheit von SPD, Grüne, Allianz für Hilden, Die Linke und Bürgermeister Pommer verabschiedet wurde.
Jedoch ist das Tempolimit auch der Dreh- und Angelpunkt im Mobilitätskonzept (zur Einordnung: im September 2024 hatte eine knappe Mehrheit einem Änderungsantrag der CDU zugestimmt, bei dem der „Kernvorschlag Tempo 30“ entfallen sollte. Doch im Februar 2025 fand sich wieder eine Mehrheit von SPD, Grüne und Bürgeraktion für die Geschwindigkeitsbegrenzung).
Dieses sieht allerdings vor, dass für die Umsetzung auch gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Im Fachausschuss liefert die Verwaltung einen Bericht zum aktuellen „Umsetzungsstand Mobilitätskonzept“ (Juni 2026) ab.
Ein Knackpunkt bei der Tempo 30-Einführung im Mobilitätskonzept ist die entsprechende Anpassung der Ampelschaltung, damit der Verkehr wirklich „flüssiger“ fließt. Vor allem die Rheinbahn hatte dies gefordert, damit die Busse weiterhin ihren Fahrplan einhalten können.
Bekanntermaßen gibt es derzeit kaum „grüne Wellen“, auch weil die Verkehrsrechner nicht auf dem neuesten Stand sind. Das soll sich aber laut dem Mobilitätskonzept ändern – kann allerdings noch dauern. In dem Bericht heißt es, dass in den Jahren 2027/28 die Überprüfung der jetzigen Anlage und eine Neuberechnung erfolgen sollen. Kosten: jeweils rund 200.000 Euro pro Jahr.
Da werden sich nun viele Kritiker einmal mehr die Augen reiben: die Hildener werden also noch rund zwei Jahre lang mit einer veralteten Ampelschaltung leben müssen. Und dennoch wurde Tempo 30 vorab schon erlassen – eben wegen „Lärmschutz“. Das muss man schon haarscharf differenzieren, um nicht aus der Kurve zu fliegen.
Hinzu kommt: Ab Herbst werden wohl die Bedarfsampeln für den zweiten Teil der A59-Sanierung zurück kehren. Es wird sich dann zeigen, wie sich deren Programmierungen mit Tempo 30 vertragen werden.
Weitere Maßnahmen
Das Mobilitätskonzept enthält noch viel mehr Aspekte. Es geht vor allem um Verbesserung beim Rad- und Fußverkehr.
Dazu nimmt der Sachstandbericht der Verwaltung hier Stellung:
- Noch ist die Ost-West-Verbindung nicht von der Tempo 30-Reduzierung betroffen. Aber auch das könnte sich ändern: „Walder Straße, Berliner Straße und die Düsseldorfer Straße werden in der 2. Stufe angegangen (nach Kern 3 und eventueller Umstrukturierung der Berliner Straße [z.B. Fahrradspur])“, heißt es in der Vorlage.
- Für die Kreuzungen Ost- und Elberfelder Straße sowie Richrather und Baustraße soll die Einrichtung von Kreisverkehren geprüft werden („vertiefende Planung erscheint sinnvoll“).
- Ausweitung von Kontrollen bei halbseitigem Gehwegparken
- Aktualisierung des städtischen LKW-Leitsystems und Beteiligung am LKW-Navigationssystem SEVAS – ist „erledigt“
- Barrierefreier Ausbau des S-Bahnhofs Hilden-Süd – Ausschreibung wird vorbereitet, Kooperationsvertrag mit der DB InfraGo ist abgeschlossen, ein Förderbescheid vom VRR (90% der Planungskosten) liegt vor, weitere Mittel werden beantragt
- Es ist geplant, dass die Linie 741 auch das Gewerbegebiet Giesenheide anfährt, die interne Bearbeitung läuft
- Diverse Gehwegsanierungen (Düsseldorfer, Beethoven- und Neustraße), Schulwegsicherungen (Körner-, Pestalozzi- und Herderstraße, Lehmkuhler Weg/Auf dem Driesch) und Querungsmöglichkeiten (Westring/Schalbruch) sind in der Planung.
- Für den Radverkehr wird u.a. an einer Vorrangroute Ost-West, einem Radweg An den Gölden bis Langenfeld sowie diversen neuen Abstellanlagen (Fabry-Museum, Innenstadt, VHS, Grünstraße) und der Sanierung des Roten Weges zwischen Nord- und Augustastraße gearbeitet.
Wenn dies alles – und noch viel mehr aus dem umfangreichen Maßnahmen-Katalog eines Tages verwirklicht sein wird, soll der Verkehr sicherer, emissionsfreier und angenehmer für alle Beteiligten fließen – so zumindest die Vorstellung im Rathaus. Doch das wird ein langwieriger Prozess. Und es wird sicherlich weitere politische Debatten geben.
Bericht: KA
Foto: anzeiger24.de
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