Mieterbund befürchtet ‚Wohungslosigkeit‘ – Eigentümerverband: ‚Die Nachfrage bestimmt den Preis‘
6000 Euro pro Quadratmeter bei neuen Eigentumswohnung – diese „Hausnummer“ hat die Bürgeraktion (BA) im Stadtrat aufgeschreckt: „Das richtet sich an eine finanzstarke ‚Elite‘, nicht an ‚Otto Normalverbraucher‘“, meint Ratsherr Ludger Reffgen. „Damit wird nicht nur die Eigentumsbildung für eine Durchschnittsfamilie so gut wie unmöglich gemacht. Auch für den Bau von bezahlbaren Mietwohnungen, besonders im jahrelang vernachlässigten öffentlich geförderten Wohnungsbau wird es bei den sprunghaft steigenden Baukosten doppelt schwer, noch etwas von dem nachzuholen, was bisher versäumt wurde.“
Damit räche es sich, „dass die Stadt [Hilden] jahrelang, als die Rahmenbedingungen es zuließen, keine bestandserhaltenden Maßnahmen auf dem Gebiet des sozialen Wohnungsbaus ergriffen und den ‚bezahlbaren Wohnraum‘ vernachlässigt hat“.
Die Stadt habe zu wenig unternommen, bzw. die Politik habe „halbherzig reagiert“: „Denn auf den geringen Bauflächen, die überhaupt noch im städtischen Besitz waren, wurde nur eine Miniqote für den geförderten Wohnungsbau reserviert, während das Gros dem freifinanzierten Markt – einem Selbstläufer in Hilden – überlassen wurde“, meint Reffgen.
Haus und Grund: „Mehr Mieter als Eigentümer – Und Bauland ist begrenzt“
Und was sagen diejenigen, die es betrifft, nämlich die „Häuslebauherinnen und -herren“ bzw. die Käuferinnen und Käufer ?
Wir haben beim Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein „Haus und Grund“ in Hilden angefragt.
Der Vorsitzende Andreas Adán kann die Meinung der Bürgeraktion „nur bedingt teilen“: Natürlich seien die Preise hoch, gerade im „Speckmantel von Düsseldorf“. Und nach hohen Kaufpreisen/Kreditraten folgen hohe Mieten. „Die Nachfrage bestimmt aber nun mal den Preis. Da gibt es leider keine ‚Wunderwaffe‘, zumindest nicht auf kommunaler Ebene“, so Adán. „In Düsseldorf sind die Preise exorbitant gestiegen, in Langenfeld mehr als in Hilden, in Monheim zumindest prozentual wesentlich mehr als in Hilden. Die Stadt Hilden allein konnte und kann es nicht schaffen, eine Insel der Glückseeligen im Vergleich zum gesamten Bundesgebiet zu werden, was die Preise angeht.“
Mietpreisbremsen oder andere Maßnahmen würden die Grundstückspreise nicht senken. Aber „nur ‚Bagger‘ können günstigen Wohnraum schaffen“. Aber auch Bauland sei – und war es schon immer – nunmal in Hilden und Umgebung sehr begrenzt.
„Es gab in Deutschland auch immer schon mehr Mieter als Eigentümer, was alles in anderen Ländern völlig unüblich ist“, erklärt Andreas Adán. „Das hat uns jedoch in der Weltwirtschaftskrise vor dem Platzen einer hier nicht vorhandenen Immobilienblase geschützt, da in anderen Ländern plötzlich niemand mehr Bedarf an Eigentum hatte und alle die arbeitslos wurden und verkaufen mussten, keine Käufer fanden.“
Wegen des niedrigen Zinsniveaus sei es immer noch möglich, sich in Hilden mit einem mittleren Einkommen Eigentum zu finanzieren: „Von einer ‚Elite‘ zu sprechen, halten wir für recht populistisch. Geringverdienende waren meistens immer schon Mieter, insoweit hat sich hier auch gar nicht so viel geändert.“
Mieterbund: „Kaum noch bezahlbarer Wohnraum – sozialer Bau muss gefördert werden“
Und dann gibt es da noch die andere Gruppe – die Menschen, denen die Eigentumswohnungen zur Vermietung angeboten werden.
Welche Auswirkungen hat die Preisentwicklung auf Mieterinnen und Mieter?
Funda Altun-Osterholt vom Mieterbund Rheinisch-Bergisches Land e.V. ist ebenfalls besorgt: „Mieterinnen und Mieter mit geringem Einkommen haben kaum die Chance bezahlbaren Wohnraum zu finden. Es wird alles knapp. Bezahlbarer Wohnraum, wie bspw. öffentlich geförderter Wohnraum wird auch kaum noch gebaut.“
Es bestehe die Gefahr von „Wohnungslosigkeit von Familien“, Rückständen bei den Mieten oder Nachzahlungen, die zur Kündigung der Wohnung führen könnten.
Und wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen?
Die Mietervertreterin meint: „Das Problem ist, dass seinerzeit bereits Landes- und Bundeswohnungen an Privatinvestoren verkauft wurden. Die freie Marktwirtschaft erwartet eine hohe Gewinnausschöpfung, was zu immer weiter steigenden Mieten führt. Außerdem gibt es keine ausreichenden Kappungsgrenzen bei den Mieterhöhungen. Die entsprechenden Schutzvorschriften sind nicht ausreichend. Die Gesetzgeber müssen hier den Schutz der Wohnung mehr in den Vordergrund stellen.“
Was müsste also geändert werden?
„Der Bau von sozial geförderten Wohnungen müsste mehr vorangetrieben werden. Die Verfahren für Schaffung von Wohnraum darf nicht zu kompliziert und langwierig sein.“
Die vorhandenen Möglichkeiten von Ahndung bei Mietwucher müsste mehr genutzt werden: „Die Stadt [Hilden] muss hier klar zum Ausdruck bringen, dass Grundlage für die Mietzinsen der Mietspiegel ist und nicht eine Angabe aus dem Internet, was lediglich eine Wunschvorstellung darstellt.“
Der Mietpreisspiegel für Hilden ist übrigens beim Mieterbund RBL erhältlich; 3 Euro für Mitglieder, 6 Euro für Nichtmitglieder.
Bericht: Achim Kaemmerer
Foto: G. Altmann/Pixabay
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