Angstraum An der Gabelung: Was tut die Polizei?

Wer sind die Krawallmacher? Und was passiert, wenn sie erwischt werden?

Seit Wochen sorgen – meist jugendliche – Unruhestifter An der Gabelung für Angst und Unbehagen. Sie pöbeln, überfallen oder attackieren Passanten. Was tun? Vor wenigen Wochen erklärten das Ordnungsamt und die Polizei Hilden, dass sie einen gemeinsamen Kontrollgang an der Stelle unternommen haben – und dabei auch einen Intensivtäter erwischt haben.

Doch das reicht vielen Menschen nicht. Sie erwarten mehr Kontrollen und Präsenz.

Das haben wir zum Anlass genommen, einmal bei der Kreispolizei Mettmann nachzufragen:

 

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Welche Vorfälle sind der Polizei bekannt? Und wer sind in der Regel die Unruhestifter und Krawallmacher?

Antwort Kreispolizei Mettmann: Der Polizei hat in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von Vorfällen rund um den Bereich der Gabelung registriert, bei denen eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen durch diverse Delikte (Diebstahl, Raub, „Abzocken“, Körperverletzungen) auffällig geworden sind. Die Personen sind zum Teil untereinander verwandt und der Polizei bekannt – hierbei handelt es sich um zum Teil auch um noch nicht strafmündige Kinder unter 14 Jahren.

 

Genau das ist ja ein Problem. Diese Kinder können strafrechtlich nicht belangt werden. Welche rechtliche Handhabe hat die Polizei in diesen Fällen?

Das so genannte „Jugendstrafrecht“ gilt für Heranwachsende im Alter von 14 bis 17 Jahren

Im Bereich des Jugendstrafrechts für Heranwachsende gibt es aber verschiedene Maßnahmen, die getroffen werden können: Diese reichen von Erziehungsmaßregeln wie zum Beispiel Sozial- oder Arbeitsstunden in dafür vorgesehenen Einrichtungen bis hin zu einem mehrwöchigen Jugendarrest oder sogar – bei besonderes harten Straftaten – einer mehrjährigen Jugendstrafe.

 

Was tut die Polizei präventiv, um die Situation zu entschärfen? Wie oft beispielsweise sind dort Streifenbeamtinnen und -beamte vor Ort, auch in den Abendstunden?

Die Polizei hat ihre Präsenz in dem Bereich im Rahmen ihres „ZooM“-Konzeptes in den vergangenen Wochen massiv erhöht und nimmt die Sorgen der Anwohnerinnen und Anwohner ernst. Täglich sind dort uniformierte Streifen und auch zivile Kräfte im Einsatz, zudem finden gemeinsame Streifen mit dem städtischen Ordnungsamt statt.

 

Zwei der Jugendlichen befinden sich zudem in dem polizeilichen Projekt „Kurve kriegen“ – hierbei handelt es sich um eine kriminalpräventive Initiative des Innenministeriums, die Kindern und Jugendlichen dabei hilft, Wege aus der Kriminalität zu finden.

Ferner ist die Polizei im engen Austausch mit dem städtischen Jugendamt, um die Situation ganzheitlich zu bewerten und geeignete Maßnahmen abzusprechen und zu begleiten.

  

Oftmals lesen wir in den Polizeiberichten, dass festgenommene Täter/Verdächtige nach der Vernehmung wieder entlassen werden. Das können viele Bürgerinnen und Bürger nicht nachvollziehen. Was ist der Grund dafür? Warum können Verdächtige nicht für längere Zeit in Gewahrsam genommen werden?

Nach der Festnahme eines Tatverdächtigen durch die Polizei obliegt es der Justiz zu entscheiden, ob der Tatverdächtige in Haft geht oder nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen zu entlassen ist. Für die direkte Unterbringung in eine Untersuchungshaft müssen so genannte Haftgründe erfüllt sein. Zum Beispiel spielt hier die Schwere der Tat eine Rolle, aber auch, ob bei dem Tatverdächtigen eine erhöhte Flucht- oder Wiederholungsgefahr besteht.

Grundsätzlich bedeutet ein Entlassen eines Tatverdächtigen von der Polizeiwache aber nicht, dass dem Tatverdächtigen keine Strafe droht – denn ein Ermittlungsverfahren gegen die Person wird in jedem Fall eingeleitet. Erst nach einem Gerichtsurteil würde dann eine potenzielle Unterbringung in einer JVA erfolgen.

 

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Stadt und Polizei Hilden haben einen „Runden Tisch“ eingerichtet. Gab es bereits Treffen und Ergebnisse? Welches Ziel verfolgt der „Runde Tisch“?

Stadt und Polizei befinden sich in dieser Angelegenheit bereits länger im intensiven Austausch. Gemeinsam wird seitens der Stadt und der Polizei das Ziel verfolgt, geeignete Maßnahmen zu treffen, um das Sicherheitsempfinden der Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu erhöhen, indem die Zahl der Straftaten gesenkt und die Täter verfolgt werden.

Was ist das zOOm-Projekt?

Die Abkürzung ZooM steht für „Zielorientierte operative Maßnahmen“ und ist ein Projekt zur Kriminalitätsbekämpfung, erklärt die Kreispolizeibehörde Mettmann: „Angelehnt ist die Idee an die Zoom-Funktion einer Kamera: Mit der Funktion können Situationen und Motive genauer betrachtet und in den Fokus der Aufmerksamkeit genommen werden. Im Rahmen von ZooM nehmen die Beamtinnen und Beamten der örtlichen Wachen und der Polizeisonderdienste verschiedene Viertel und Stadteile ihres Wachbereiches ganz besonders in den polizeilichen Fokus. Die Pressestelle berichtet in unregelmäßigen Abständen über Einsätze und Maßnahmen des ZooM-Projekts.“

 

Bericht: Achim Kaemmerer
Fotos: anzeiger24.de / Pixabay

 


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